18. 07. 2008

Naturfreunde?

Abgelegt als: Umwelt - freiburgerthesen @ 10:05

Immer mal wieder bezweifle ich, dass der eine oder andere Naturschützer überhaupt etwas von Natur versteht, begreift, was in ihr vorgeht und wie sie aufgebaut ist. Immer, wenn von "Harmonie mit der Natur" gesprochen wird, schüttle ich den Kopf - denn wer schon einmal eine beliebige Katze, ob nun einen Hauskater oder einen Löwen, beim Umgang mit seiner Beute gesehen hat, kommt sehr schnell von dem Gedanken ab, die Natur sei so ganz und gar harmonisch. Was nicht bedeutet, dass ich mit Begriffen wie dem Kreislauf des Lebens oder der "Balance of Nature" nichts anfangen könnte; lediglich die Vorstellung, dass diese irgendwie semi-bewusst von Tieren erzeugt würde, ist lächerlich. Zu dieser "balance" gehört eben auch Sterben, Töten und eine ungeahnte Brutalität des Lebens. Schön ist das manchmal, manchmal aber auch nicht.

Ein Telepolis-Artikel, auf den ich hinweisen möchte, wirft nun einmal mehr ein Licht auf die verrücktesten Tierschützer - die Tierrechtler oder "Anti-Speziesisten", denen wirklich nichts zu blöd ist, wenn es um ihre Ideologie geht. Wer ernsthaft versucht, ein Raubtier vegan zu ernähren, hat nun überhaupt nichts von der Natur verstanden, an der es ihm (oder oft: ihr!) angeblich liegt. Und um das so zu sehen, muss man nicht mal ein Apologet des Marktradikalismus sein, wie der Autor zeigt - denn der hält unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem durchaus für falsch und irregeleitet (eine Ansicht, die ich nicht so ganz teile). Man muss nur eines sein: Halbwegs aufgeklärt und vernünftig.

14. 07. 2008

Mal etwas Konkretes

Abgelegt als: Religion, Energie, Umwelt - freiburgerthesen @ 11:32

Was an den politischen Diskussionen über die Energiepolitik augenblicklich doch sehr nervt, ist ihre rein glaubensorientierte Ausrichtung. Über Zahlen, über die konkrete Ausgestaltung der jeweiligen Vorstellungen wird kaum diskutiert; stets wird nur darauf gepocht, dass entweder "die Kernenergie unersetzlich" sei (was vor allem daran liegt, dass es um den Atomkonsens geht - weniger um eine Orientierung in der gesamten Energiepolitik) oder aber "wir jetzt schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umsteigen müssen" (ohne aber zu sagen, welche Energiemengen wirklich von welchen Quellen kommen sollen). Am schönsten sind die Diskutanten, die schlicht bestreiten, dass der Energiebedarf ansteigen, zumindest aber gleich bleiben wird, und verlangen, wir mögen "alles über Energieeffizienz regeln" (was ein schöner Wunschtraum ist, der sich zumal in einem freiheitlichen System kaum schnell realisieren lassen wird).

Wenn wir über diese religiösen Konflikte hinausblicken, sieht man gähnende Leere. Weder die Union noch die SPD, die FDP oder die Grünen (oder gar die Linkspartei) haben die Öffentlichkeit bisher mit einem Papier erfreut, in dem konkrete Energiebedarfsschätzungen z. B. für das Jahr 2025 mit einer Erzeugungsstatistik kombiniert sind. Das wären Informationen, mit denen man sich als Bürger beschäftigen kann und nach denen man beispielsweise seine Wahlentscheidung ausrichten könnte - anstatt nach religiösen Trennlinien.

Ganz anders ein Professor aus Cambridge: Wie Telepolis berichtet, hat David J.C. MacKay, Doktor der Informatik und Professor für Naturphilosophie im Fachbereich Physik an der Universität Cambridge, ein Buch in Arbeit, das verschiedene konkrete und durchgerechnete Szenarien für die zukünftige Energieversorgung anbietet. Da es sehr unterschiedliche Szenarien sind, dürfte wohl für jeden etwas dabei sein; wenn man solche Konzepte auf dem Tisch hat, hat eine Diskussion auch wirklich einen Sinn.

Vorher nicht.

11. 07. 2008

Scheinargument

Abgelegt als: Medien, Energie, Umwelt - freiburgerthesen @ 10:25

Die TAZ hat eine Liste mit Argumenten für Atomkraftgegner zusammengestellt (Dank an Chat Atkins), die die Oberhand behalten wollen, obwohl ihnen der Wind ins Gesicht bläst. Dort findet sich offensichtlich Vernünftiges (wie der Verweis auf die ungeklärte Endlagerung und die dubiosen Haftungsregeln) neben Origninellem und Bedenkenswertem (wie der Hinweis auf die Notwendigkeit eines Umdenkens bei der Grundlastfrage) und haarsträubenden Scheinargumenten. Letzteres findet sich vor allem da, wo die Nützlichkeit der Atomkraftwerke bei der CO2-Vermeidung bestritten wird. Zitat:

Die Stromerzeugung durch Atomkraft senkt den CO2-Ausstoß in Deutschland überhaupt nicht - vorausgesetzt, der Emissionshandel funktioniert. Denn Deutschland hat im Rahmen des Kioto-Protokolls ein bestimmtes Kontingent an CO2, das es in den kommenden Jahren ausstoßen darf. Unabhängig von den Atomkraftwerken. Und dieses Limit wird zwangsläufig eingehalten, sofern der Handel nicht unterlaufen wird.

Weil in Deutschland Diebstahl verboten ist, wird hier ja auch nicht geklaut. Deswegen brauchen wir auch keine Polizei, denn was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Das gleiche Argument könnte man gegen die Förderung erneuerbarer Energien in Stellung bringen: Diese brauchen wir selbstverständlich nicht zu fördern, denn auch ohne sie werden wir die Klimaziele erreichen. Immerhin steht das ja im Kyoto-Protokoll.

Auch, wenn alle anderen Argumente mehr gegen als für die Atomkraft sprechen: Der gleichzeitige Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung ist unmöglich, wenn wir gleichzeitig unseren Lebensstandard halten oder gar verbessern wollen. Und von einer Verschlechterung des Lebensstandards, von großen Opfern, sprechen die Grünen nicht. Sollten sie aber, denn das wäre ehrlich.

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