“Nie ein Auto klauen”
Vorab: Bitte keine Missverständnisse. Ich bin der Auffassung, dass unser Steuersystem entsetzlich ist. Steuern in Deutschland sind entsetzlich hoch, entsetzlich kompliziert und entsetzlich ungerecht. Aber den Mist, den mancher in diesem Zusammenhang verzapft, finde ich nur schwer erträglich.
Beispielsweise Professor Marco Becht im Interview mit SpOn. Er findet es bemerkenswert, so Becht, dass "Leute, die nie ein Auto stehlen würden", dann "beim Abendessen über die besten Methoden zur Steuerhinterziehung" plaudern, so, "als wäre es das Normalste der Welt". Ein grandioser Vergleich; offensichtlich ist sich Herr Becht nicht darüber im Klaren, wie groß der Unterschied in Aufwand, Schwierigkeit, Risiko und möglichem Gewinn zwischen diesen beiden Vergehen ist. Vom sozialen Aspekt mal ganz abgesehen - Autodiebe werden sozial ausgegrenzt, besonders geschickten Steuerbetrügern in privatim sogar noch applaudiert. Was doch eher einen moralischen Verfall, ein Verschwinden des Unrechtsbewusstseins, annehmen lässt als das nicht genauer definierte "Systemversagen", dem Becht nebulös die Schuld am Massenphänomen Steuerhinterziehung zuschiebt.


