28. 07. 2008

“Nie ein Auto klauen”

Abgelegt als: Steuern, Kriminalität - freiburgerthesen @ 8:03

Vorab: Bitte keine Missverständnisse. Ich bin der Auffassung, dass unser Steuersystem entsetzlich ist. Steuern in Deutschland sind entsetzlich hoch, entsetzlich kompliziert und entsetzlich ungerecht. Aber den Mist, den mancher in diesem Zusammenhang verzapft, finde ich nur schwer erträglich.

Beispielsweise Professor Marco Becht im Interview mit SpOn. Er findet es bemerkenswert, so Becht, dass "Leute, die nie ein Auto stehlen würden", dann "beim Abendessen über die besten Methoden zur Steuerhinterziehung" plaudern, so, "als wäre es das Normalste der Welt". Ein grandioser Vergleich; offensichtlich ist sich Herr Becht nicht darüber im Klaren, wie groß der Unterschied in Aufwand, Schwierigkeit, Risiko und möglichem Gewinn zwischen diesen beiden Vergehen ist. Vom sozialen Aspekt mal ganz abgesehen - Autodiebe werden sozial ausgegrenzt, besonders geschickten Steuerbetrügern in privatim sogar noch applaudiert. Was doch eher einen moralischen Verfall, ein Verschwinden des Unrechtsbewusstseins, annehmen lässt als das nicht genauer definierte "Systemversagen", dem Becht nebulös die Schuld am Massenphänomen Steuerhinterziehung zuschiebt.

30. 03. 2008

Interessante Logik

Abgelegt als: Wirtschaft, Steuern - freiburgerthesen @ 21:40

Wenn ich dieser Logik hier folge, dann wird es dringend Zeit, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe und Energie zu erhöhen. Immerhin haben sich die meisten Menschen bereits darauf eingestellt, dass die Preise in diesen Bereichen steigen. Und damit würde eine Erhöhung dafür sorgen, dass diese Preissteigerungen beim Staat landen, anstelle den Gewinn der Öl-, Strom- und Gaskonzerne zu steigern.

Eine Trennung von Netz und Betrieb halte ich aber auch für eine gute Idee. Vielleicht sollte man die Netze bei der Gelegenheit gleich verstaatlichen, um für alle Anbieter einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. So teuer dürften die Netze ja auch nicht mehr sein, bedenkt man, wie sehr die Netzbetreiber sie in den vergangenen Jahren haben vergammeln lassen…

21. 03. 2008

Zu wenige Steuerfahnder

Abgelegt als: Gesetze, Wirtschaft, Steuern - freiburgerthesen @ 16:40

Die Deutsche Steuergewerkschaft weist noch einmal darauf hin, dass in Deutschland rund 1000 Steuerfahnder fehlen. Schon im Februar wies Monitor darauf hin, dass dieser Mangel dazu führt, dass in Bayern Einkommensmillionäre im Schnitt nur alle neun Jahre überprüft werden. Dieter Ondracek von der Steuergewerkschaft weist nun darauf hin, dass durch die fehlenden Kollegen viele Steuersünder ungestraft davonkommen, weil ihre Verjährungsfrist bereits abgelaufen ist, bevor der Fall auch nur bearbeitet werden kann.

Also: Deutschland braucht mehr Steuerfahnder!

Und wer dagegen nun mit dem Hinweis polemisiert, durch diese Forderung stelle man alle Wohlhabenden unter einen Generalverdacht, dann sollte man einmal bedenken, unter welchen Generalverdacht die einzelnen Arbeitnehmer gestellt werden. Denn von denen nimmt man ja an, dass sie wohl nicht zahlen würden, wenn man ihnen nicht direkt von jedem Gehalt die Steuer abzieht. Was auch noch den Nachteil hat, dass das Geld direkt weg ist und nicht erst am Jahrensende, bei der Steuerabrechnung. Denkt der Fiskus denn nun, man könne den kleinen Arbeitnehmern nicht vertrauen, oder hält man sie für unfähig, das Geld für die Steuer zurückzulegen? Letztere Befürchtung ist ja nicht so ganz abwegig. Es soll schon so manch ein Unternehmen insolvent geworden sein, wenn die Umsatz- oder Gewerbesteuer zu zahlen war. Woraufhin der Staat auf dieser Forderung sitzen blieb. 

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