02. 09. 2008

Eben doch Sklaverei

Abgelegt als: Uncategorized, Soziales, Gesetze, Kriminalität - freiburgerthesen @ 10:10

Wenn man so liest, was manche Leute so verzapfen, dann will man ihnen an die Gurgel gehen.

Da besitzt ein Arbeitsamtschef die korrupte Frechheit, sich nicht nur kostenlose Arbeitskräfte für das im Nebenberuf geleitete Altenheim zu beschaffen, sondern auch noch vom Staat dafür zu kassieren (weil diejenigen, die Arbeitsgelegenheiten anbieten, ja für die angeblich notwendige Bürokratie entschädigt werden). Er betrügt also in einem Rundumschlag seine Arbeitnehmer (denn Arbeitslose waren sie ja eigentlich nicht mehr) und den Staat.

Und sein Anwalt erdreistet sich wirklich, nicht nur zu behaupten, nach den Maßstäben, die nun an den Herrn angelegt würden, müsste man alle ARGE-Leiter anklagen (wirklich? Vermitteln die alle Arbeitskräfte an sich selbst und lassen sich dafür dann noch bezahlen?), sondern auch noch in schönster Herrenmenschenart zu behaupten, man müsse so vorgehen, um den Arbeitslosen "Pünktlichkeit und Verlässlichkeit" beizubringen und sie richtig zu qualifizieren. Genau, Erziehung durch Arbeit, knöpft es euch vor, das verlotterte Pack. Denn, wie der Herr Anwalt auch weiß, "den Berufsstand des Diplomspaziergängers, Laubfegers und Rollstuhlschiebers gibt es nun mal nicht".

Nun ist dies natürlich ein besonders krasser Fall. Aber dass der Missbrauch bei den Arbeitsgelegenheiten ein weitgehender ist und kaum ein Projekt so funktioniert, wie sich das die Herren Hartz und Clement ausgedacht haben, kann wohl kaum bestritten werden.

01. 09. 2008

Alles verpasst!

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales, Gesetze, Humor - freiburgerthesen @ 16:12

Als Blogger muss man fleißiger sein - fleißiger als ich jedenfalls. Einfach mal so zwei Wochen lang anderen Dingen im Leben nachgehen und nix posten, das geht gerade noch, aber dreieinhalb Wochen lang vergessen, die Diskussionen der Anderen zu lesen, das geht überhaupt nicht. Danach ist man ja so out. Und man muss feststellen, dass die Leute, bei denen man gerne liest, plötzlich dabei sind, sich regelrecht an die Gurgel zu gehen und mitzuteilen, man wolle den jeweils anderen jetzt nicht mehr lesen und auch nicht mehr im eigenen Blog kommentieren sehen.

Und worum geht es? Um einen ziemlich aufgeblasenen Blogger von mäßiger Qualität und noch mäßigerem Humor, der in seinem schrägen Weltbild gleich mal eben Hitler-Vergleiche anstellen muss, wenn es gegen den Mindestlohn geht. Um einen Gewerkschaftsbund, der - anstatt so einen geistigen Dünnpfiff einfach zu ignorieren - mit juristischen Mitteln droht und damit den größtmöglichen Fehler macht, nämlich das Thema überhaupt erst interessant werden zu lassen. Weiter um den besagten aufgeblasenen Blogger, der diese Vorlage dankbar aufgreift und die Blogosphäre um Solidarität anheult. Anschließend um (teilweise marktradikale) Liberale, die in ihrem voltaire’schen Kampf um die Meinungsfreiheit der Idioten über das Ziel hinausschießen und die Hitler-Vergleichsposse noch um einige sehr dümmliche Beispiele erweitern. Und damit natürlich dem ursprünglichen Idioten das Gefühl geben, er hätte sogar noch inhaltliche Mitstreiter. Und schließlich um ein Rudel Linker bis Linksextremer (ich darf den Che ja offiziell so nennen), die das kritisieren und ihrerseits mit nicht weniger blöden Hitlervergleichen antworten.

Und das alles habe ich verpasst! Ist das nicht schrecklich? Obwohl… wenn ich mir meine Zusammenfassung noch mal durchlese… ist das eigentlich schrecklich, oder vielmehr ganz erfreulich? Ich habe meine Zeit mit sinnvollen Dingen verbracht und mich nicht einmal gereizt fühlen können, mich in dieses kindische Durcheinander hineinzustürzen. Eigentlich ganz erfreulich.

Vielleicht sollte man doch nicht zuviel bloggen. Sonst sieht man am Ende nur noch Hitler.

P.S.: Mir gefällt aber NUB’s Auseinandersetzung mit dem Thema.

29. 07. 2008

Zynisch - und ahnungslos

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales, Liberalismus, Energie - freiburgerthesen @ 12:28

Den "zynischen Liberalen" sei entschieden zu begegnen, forderte vorhin ein Kommentator unter meinem letzten Beitrag. Da kann ich nur zustimmen. Und wie anders als zynisch sollte man es nennen, wenn einer der Bloggerkollegen von nebenan Thilo Sarrazin bei seinem letzten Verbalausfall auch noch zustimmt, ihn sympathisch nennt und sagt, dass der Mann ihm gefällt? Wir erinnern uns, Sarrazin hatte arbeitenden Menschen, deren Einkommen mehr und mehr von den Energiekosten aufgefressen wird, den Rat gegeben, doch eben die Temperatur auf 16 Grad herunterzuschrauben und sich im Winterpulli in die eigene Wohnung zu setzen.

Sein (sozialdemokratisches?!?) Ideal für die Zukunft lehnt sich dabei an die Vergangenheit an: „Bei uns waren es zuhause immer 16 Grad. Am Morgen hat mein Vater die Koksheizung befeuert und sie erst am Abend, wenn er von der Arbeit zurückkam, wieder angemacht. Das hielt dann immer gerade für 16 Grad. Ich habe es überlebt“. Unerträglich, solche Sprüche. Ich habe schon die Grünen verachtet, wenn sie angesichts steigender Benzinpreise die Chuzpe hatten, auch Berufspendlern zu vermehrtem Radfahren zu raten - aber die können immerhin oft sagen: "Ich mache das auch so". Dass Herr Sarrazin hingegen bei 16 Grad im dicken Pullover sitzt, ist nicht zu erwarten. Solche Kommentare angesichts eines sinkenden Lebensstandards und einer immer weiter auseinandergehenden Wohlstandsschere sind völliger Zynismus.

Und auch die Netz-Julis zeigen mal wieder ein bemerkenswertes Unverständnis für die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen im Land. In einem Kommentar unter dem oben verlinkten Blogbeitrag schreibt Jan Filter (der ansonsten richtig anmerkt, dass sich die Menschen durch solche Bemerkungen für dumm verkauft fühlen): "mal ganz ganz nebenbei: wie kommt man eigentlich auf die Idee, bei der Affenhitze mit so einem Thema anzufangen?". Ich nehme einfach mal an, dass der junge Herr Filter noch bei seinen Eltern wohnt und zu dieser Zeit wohl eher an das Freibad denn an finanzielle Probleme denkt. Denn sonst hätte ja auch er vor wenigen Tagen eine Erhöhung der Gaspreise oder der Wohnungs-Nebenkosten ins Haus bekommen - oder seinen Öltank für den Winter aufgefüllt und dabei festgestellt, wie teuer das Öl geworden ist. Darum fängt man bei dieser Affenhitze mit diesem Thema an, guter Mann.

Wessen Marktwert zu niedrig ist, der soll trotz fleißiger Arbeit hungern und frieren - in diesem Credo erkenne ich nichts weiter als eine Variante jenes aristokratischen Despotismus, gegen den der Liberalismus seinen ersten großen Kampf gewonnen hat. Nicht aber eine politische Bewegung, die die Freiheit des Menschen im Auge hat.

09. 07. 2008

Empfehlung IV

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales - freiburgerthesen @ 11:29

Der "Digital Gap" ist sicher ein großes Problem für Entwicklungsländer - ohne Zugang zu den digitalen Informationen werden sie in der sich entwickelnden Wissensgesellschaft immer schneller abgehängt. Dass dieser Gap auch in Deutschland existiert, mag sein; dass seine Existenz allerdings im Land der flächendeckenden Internetcafés und DSL-Anschlüsse weniger mit Geld zu tun hat, dafür eine gute Argumentation aus Westsibirien.

28. 03. 2008

Empfehlung III

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales, Liberalismus - freiburgerthesen @ 23:15

Feynsinn schreibt darüber, warum nicht nur Linksradikale, sondern auch ganz normale Menschen der Mitte mittlerweile an der Situation verzweifeln und mehr und mehr bereit sind, den Thesen der Linkspartei zuzuhören. Und warum Sozialer Liberalismus klar Position gegen den marktradikalen Trend beziehen muss.

23. 03. 2008

Wenn ich kein Brot hab’, ess’ ich eben Kuchen

Abgelegt als: Soziales - freiburgerthesen @ 20:13

Heute Nachmittag Kuchen gebacken. Abends festgestellt, dass das Brot im Brotkasten leider ein wenig Schimmel angesetzt hat. Kuchen gegessen. Mich nachher gefreut, in einer Gesellschaft zu leben, in der solche Entscheidungen tatsächlich auch für einfache Leute möglich sind. Anschließend gefragt, ob wir auf höherer (materieller) Ebene nicht wieder eine ähnliche Einstellung der Herrschenden sehen.

19. 03. 2008

Diebstahl ist ein Widerstandsrecht

Abgelegt als: Medien, Soziales - freiburgerthesen @ 9:25

Roger Köppel erklärt in der WELT, warum Ladendiebstahl und Einbruch ein Widerstandsrecht des gemeinen Bürgers gegen ein Wirtschaftssystem sind, das dazu beiträgt, der Masse der Menschen immer mehr wegzunehmen, um es wenigen reichen Kapitaleignern zu geben.

Oder so

16. 03. 2008

Neues vom Edelzuhälter-IV

Abgelegt als: Soziales - freiburgerthesen @ 19:42

Damals war ich durchaus ein Freund der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Im beruflichen und privaten Umfeld hatte ich einfach zu viel mit Leuten zu tun, denen die Alhi zusammen mit Schwarzarbeit und Wohn- sowie Kindergeld ausreichte; sie hatten sich in ihrer Situation eingerichtet und kein Interesse mehr, eine andere Lebensgestaltung zu finden. Zu genau wusste ich, dass das auch daran lag, dass die Arbeitslosenhilfe einfach hoch genug war, um sie als Ersatzgehalt zu empfinden. Also war auch ich dafür, den Empfängern diese Leistung vor Augen zu führen, dass es sich nicht um eine Versicherungsleistung handelt, sondern um die letzte Hilfe des Staates, die sie erhalten. Und dafür schienen die Hartz-Reformen genau richtig.

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