24. 07. 2008

Ähnlich

Abgelegt als: Ausland, Religion - freiburgerthesen @ 11:03

Irgendwie erinnert mich der Hype um Barack Obama stark an die Papst-Hysterie: Man ist begeistert von einem Typen, über den man eigentlich nichts weiß, dessen Programm man nicht wirklich kennt, nur weil er… ja, was eigentlich? Anders ist? Neu ist? Was soll die Begeisterung?

Gut, ich finde Obama klasse, weil sich viele seiner Vorstellungen mit den meinen decken. Wobei ich nicht dem Irrtum vieler hiesiger Sozialdemokraten unterliege, er sei ein solcher. US-liberal, ja, aber das ist immer noch nicht wirklich "links", kein "demokratischer Sozialismus". Es steckt immer noch viel Marktwirtschaft in einem wie Obama, viel Religion, viel "American Values". Sonst wäre er auch nicht da, wo er jetzt ist.

Ob er allerdings Präsident wird, da habe ich so meine Zweifel.

14. 07. 2008

Mal etwas Konkretes

Abgelegt als: Religion, Energie, Umwelt - freiburgerthesen @ 11:32

Was an den politischen Diskussionen über die Energiepolitik augenblicklich doch sehr nervt, ist ihre rein glaubensorientierte Ausrichtung. Über Zahlen, über die konkrete Ausgestaltung der jeweiligen Vorstellungen wird kaum diskutiert; stets wird nur darauf gepocht, dass entweder "die Kernenergie unersetzlich" sei (was vor allem daran liegt, dass es um den Atomkonsens geht - weniger um eine Orientierung in der gesamten Energiepolitik) oder aber "wir jetzt schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umsteigen müssen" (ohne aber zu sagen, welche Energiemengen wirklich von welchen Quellen kommen sollen). Am schönsten sind die Diskutanten, die schlicht bestreiten, dass der Energiebedarf ansteigen, zumindest aber gleich bleiben wird, und verlangen, wir mögen "alles über Energieeffizienz regeln" (was ein schöner Wunschtraum ist, der sich zumal in einem freiheitlichen System kaum schnell realisieren lassen wird).

Wenn wir über diese religiösen Konflikte hinausblicken, sieht man gähnende Leere. Weder die Union noch die SPD, die FDP oder die Grünen (oder gar die Linkspartei) haben die Öffentlichkeit bisher mit einem Papier erfreut, in dem konkrete Energiebedarfsschätzungen z. B. für das Jahr 2025 mit einer Erzeugungsstatistik kombiniert sind. Das wären Informationen, mit denen man sich als Bürger beschäftigen kann und nach denen man beispielsweise seine Wahlentscheidung ausrichten könnte - anstatt nach religiösen Trennlinien.

Ganz anders ein Professor aus Cambridge: Wie Telepolis berichtet, hat David J.C. MacKay, Doktor der Informatik und Professor für Naturphilosophie im Fachbereich Physik an der Universität Cambridge, ein Buch in Arbeit, das verschiedene konkrete und durchgerechnete Szenarien für die zukünftige Energieversorgung anbietet. Da es sehr unterschiedliche Szenarien sind, dürfte wohl für jeden etwas dabei sein; wenn man solche Konzepte auf dem Tisch hat, hat eine Diskussion auch wirklich einen Sinn.

Vorher nicht.

20. 03. 2008

Antisemitisch? Nö.

Abgelegt als: Personen, Religion - freiburgerthesen @ 16:28

Der Papst bittet seinen Gott darum, er möge Mitglieder einer anderen Religionsgemeinschaft "erleuchten" und zu seiner Religion führen. Das ist zwar wenig rücksichtsvoll, aber "verhöhnt" er die Juden damit? Zeigt er sich gar "antisemitisch"? Nein, sicher nicht. Das sind eher dümmliche Behauptungen. Benedikt wäre wohl nicht der Papst, wenn er nicht an die absolute Wahrheit und Überlegenheit seines religiösen Bekenntnisses glauben würde. So, wie das eigentlich alle Gläubigen von Religionen mit Alleinvertretungsanspruch tun: Seien es Christen, Juden oder Moslems. Und natürlich wünscht sich jeder dieser Gläubigen, dass alle anderen Menschen von seinem Gotte "erleuchtet" und zur eigenen Religion geführt werden.

Insofern ist diese Ansprache also genau so zu sehen, wie die Aussagen, mit denen er sich bei Muslimen und Protestanten beliebt gemacht hat: Als wenig höflich, aber typisch religiös. Und weder als feindlich gegenüber anderen Religionen noch als Verhöhnung dieser.

Wie allerdings bei derartig mangelndem Respekt der Dialog der Religionen funktionieren soll, den der Papst immer wieder anspricht, ist sehr fraglich 

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