Dass die FDP immer nur als "Partei der Besserverdienenden" betrachtet wird, das kennt man ja. Dass aber selbst politisch interessierte Leute, die schon länger leben, es also besser wissen sollten, überzeugt davon sind, die Liberalen seien schon immer eine "neoliberale" Partei gewesen (und schon seit aller Ewigkeit der "kleine Bruder" der Union), darüber bin ich immer wieder enttäuscht. Die "Freiburger Thesen", nach denen ich dieses Blog benannt habe, sind ein klares Gegenbeispiel dafür, dass Liberalismus stets radikalkapitalistisch und meist kulturkonservativ daherkommen muss; allein, es kennt sie kaum noch einer.
Das musste ich heute wieder einmal erkennen. Obwohl mein Blog bei Google immer noch den bescheidenen "Page Rank" von 2 hat (also als recht unbedeutend gesehen wird), kommen fast täglich Menschen mit dem Suchbegriff "Freiburger Thesen" hierher. Ich habe den Begriff selbst mal bei Google eingegeben - und siehe da: hinter der Wikipedia und dem pdf-Download des "Originals" bei der Friedrich-Naumann-Stiftung belegt dieses Blog dort den dritten Platz bei den Suchergebnissen. So uninteressant scheint das Werk zu sein, dass sich kaum ein wichtiges Medium mehr an es erinnern mag, dass kaum mehr eine Auseinandersetzung mit ihm erfolgt. Schade.
Zwei interessante Punkte sind mir dort aber auch noch aufgefallen.
Zum einen ist dies ein programmatischer Beitrag von Karl Krohn aus der FDP Norderstedt, der sich mit ähnlichen Gedanken beschäftigt, wie sie mich umtreiben. Der Kampf gegen "Rentnergesinnung und Kartelldenken", von dem er spricht, scheint mir tatsächlich der Kampf der Liberalen im 21. Jahrhundert zu sein - wobei die Marktradikalen oft dazu neigen, den Kampf gegen die Rentnergesinnung aufzunehmen und den gegen das Kartelldenken zu ignorieren, weil man diesem "mit politischen Mitteln ohnehin nicht begegnen kann". Wenn das so wäre, dann würden wir den Kampf insgesamt aufgeben und uns zu reinen Bütteln des Kapitals machen - zu jenen Neoliberalen, die die äußere Linke bekämpfen will.
Zum anderen fiel mir der Satz auf, der unter meinem eigenen Google-Eintrag steht: "Präsentation des Tagebuchs eines FDP-Mitglieds, der sich in der linksliberalen Tradition sieht". Den habe ich niemals geschrieben, insbesondere habe ich niemals geschrieben, ob ich (noch oder schon) Mitglied der Freien Demokraten bin. Also habe ich den Satz selbst einmal bei Google eingegeben. Und voilà: Da tauchten drei Online-Verzeichnisse auf, in denen ich aus irgend einem Grund gelistet bin. Immer in einer Kategorie mit fünf anderen Blogs, von denen ich vier kenne: Jürgen Martinschledde, "Der Morgen", "Neues und Bekanntes" sowie "Sozialliberal" (das übrigens leider tot zu sein scheint) finden sich dort. Und ein Blog namens "Schutzkreis", das seit Juli 2005 offenbar zehntausende von Einträgen hat, von dem ich aber noch nie gehört habe. Seltsam. Auf jeden Fall werde ich es aber weiter beobachten, denn die Autorin schleppt interessante Links mit Kurzkommentaren zuhauf zusammen.