Energiefragen
Als Befürworter der Kernenergie mitten unter Scharen von Leuten, die gegen sie sind, hat man es schon schwer. Oh, nicht im täglichen Leben; da begegne ich eigentlich nur Leuten, denen der Strom so teuer wird, dass sie kaum bereit sind, Kraftwerke abschalten zu lassen, die jetzt (Subventionen hin oder her, denn die haben sie ja auch bezahlt) preiswert Strom erzeugen.
Nein, mehr unter politisch interessierten Freunden, politischen Freunden (das ist etwas Anderes!) und den politisch ähnlich gesinnten Bloggern. Eine der Hauptdiskussionen ist die um die Energiesicherheit, und gerade da weiche ich von denjenigen ab, mit denen ich mich sonst so gut verstehe: Ich bin davon überzeugt, dass wir diese nur durch Kernenergie herstellen können. Und ich glaube den Experten, die vor einer Versorgungslücke warnen, wenn wir wirklich alle KKWs abschalten.
Sicher, im Augenblick erzeugen wir noch weit mehr Energie als wir verbrauchen, wir sind Nettoexporteure. Das haben uns die KKW-Gegner oft genug vor Augen geführt. Doch sollte man vielleicht einen Blick über diese einfache Statistik (Erzeugung/Verbrauch) hinaus werfen.
Die Kernenergie trägt derzeit rund 13% zu unserer Energieversorgung bei, etwas mehr als die Hälfte dieser Kraftwerke könnte man abschalten, wenn man keinen Strom mehr exportieren würde. Nehmen wir an, dass wir die Erneuerbaren Energien auf kurze Sicht vervierfachen können (was vielleicht sogar möglich wäre), dann wäre diese Abschaltung ausgeglichen. Das Problem aber ist: Etwa 21% unserer Energie wird auf Gaskraftwerken erzeugt, und von diesen 21% stammen relativ 85% (total also etwa 18%, damit mehr als die gesamte Leistung der KKWs) aus Russland.
Wer die aktuellen Nachrichten verfolgt, teilt sicher meine Sorge, dass diese 18% unseres gesamten Energiebedarfs nicht so sicher sind, wie man meinen möchte. Dass außerdem fast 40% aus Erdöl gedeckt werden (das hier fast gar nicht stattfindet, sondern aus politisch noch problematischeren Regionen bezogen werden muss) mindert meine Sorgen nicht im Geringsten.
Jenseits allen Populimus sehe ich es so: Bis Erneuerbare Energien mehr als 60% unseres Energiebedarfs decken können, wird sicher ein Jahrhundert vergen (oder zumindest ein halbes). Angesichts der kritischen Situationen, in denen sich die Herkunftsländer ALLER anderen Energiequellen befinden, wäre es wahnsinnig, auch nur eine davon auszuschließen. Wir müssen uns jede von ihnen offen halten (und dabei alle gegenüber dem Öl bevorzugen) um sicher zu sein. Und um auszuschließen, dass wir irgendwann so verzweifelt sein könnten, uns mit Gewalt den Zugang zu der einen oder anderen Energieform sichern zu müssen. Das nur so am Rande.


