22. 07. 2008

Grenzen

Abgelegt als: Denker, Integration - freiburgerthesen @ 12:23

Zwar teile ich viele Ansichten der Marktradikalen nicht, dennoch kann ich nicht verhehlen, dass ich Frédéric Bastiat für einen hervorragenden Denker halte. Und das nicht nur von dem Zitat her, mit dem die Marktradikalen gern alle politischen Gegner als kurzsichtig oder blind kennzeichnen ("was man sieht…"), sondern auch von anderen Denkansätzen her. Mein Lieblingszitat von Bastiat lautet:

"Wenn Waren nicht die Grenze passieren dürfen, dann werden es Soldaten tun".

Nun stelle ich mir die Frage, ob nicht folgender Satz ebenso richtig ist:

"Wenn Einwanderer nicht die Grenze passieren dürfen, dann werden es Kriminelle tun".

Und im letzteren Falle sind es sogar die gleichen Personen, die da zuwandern. Nur einmal als hoffnungsvolle Menschen, die ein positives Leben aufbauen wollen - im letzteren Fall als ausgegrenzte und abgelehnte Menschen, die aus dem scheinbaren Paradies eben das herausquetschen, was man ihnen nicht verwehren kann.

08. 07. 2008

Liberale Kommunisten

Abgelegt als: Denker, Blogosphäre, Liberalismus - freiburgerthesen @ 10:12

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr der liberale Diskurs im Internet alten Lehrsätzen des Steinzeitkommunismus verhaftet zu sein scheint. Ob es nun Maos Diktum von der Macht ist, die ausschließlich aus den Gewehrläufen kommt (denn eine andere Form von Macht als die staatliche, mit Waffengewalt durchgesetzte, wird ja oft nicht akzeptiert) oder der historische und dialektische Materialismus mit dem Sein, das das Bewußtsein bestimmt - die Liberalen sind oft kommunistischer als die Linken.

Seltsam - oder?

15. 03. 2008

Popper und seine Feinde

Abgelegt als: Denker, Blogosphäre - freiburgerthesen @ 1:46

Eigentlich ist es ja mehr als lächerlich, wenn manche Anhänger der "Chicago Boys" innerhalb und außerhalb der Blogosphäre sich mit dem Namen Karl Poppers schmücken. Da wird von "Offener Gesellschaft" gefaselt und gleichzeitig gegen Sozialtechnik polemisiert, Popper als großer Denker empfohlen, gleichzeitig aber das Kernstück seines Denkens, nämlich ein schrittweiser Umbau der Gesellschaft unter Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit, abgelehnt. Gleichzeitig fordern diese Leute die Anwendung utopischer Sozialtechnik, ohne es überhaupt zu bemerken oder darüber zu reflektieren. All das beruht auf einem verkürzten Verständnis menschlichen Zusammenlebens, das nur noch aus dem Gegensatz Staat vs. Individuum besteht, dabei aber alle anderen Strukturen ignoriert. Die Bedeutung von Produktionsstrukturen wird mit einem Schulterzucken abgetan und nur noch als "freie Vertragsbildung" bezeichnet, zum Teil sogar thatcheristisch das Konzept von Gesellschaft abgelehnt. Eine im ursprünglichen Wortsinne asoziale Weltanschauung.

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10. 03. 2008

Das Problem mit Rawls

Abgelegt als: Denker - freiburgerthesen @ 10:25

Ich bin ein großer Anhänger von Rawls’ "Theory of Justice". Besonders die Grundannahme, dass man ein Gesellschaftssystem nur dann beurteilen kann, wenn man sich hinter den "Veil of Ignorance" begibt, also noch nicht weiß, an welcher sozialen Position man sich befinden wird, halte ich für sehr sinnvoll. Nur den Schluss, dass man eine Gesellschaft immer nach jenen beurteilen muss, die in ihr am schlechtesten stehen, halte ich nicht für allgemeingültig.

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