04. 10. 2008

Kommentare in Blogs…

Abgelegt als: Medien, Blogosphäre - freiburgerthesen @ 8:57

…sind gehaltvoll, inhaltlich anspruchsvoll und gut geschrieben. Das denke ich jedes Mal, wenn ich den Fehler gemacht habe, mir die Kommentare in der Online-Ausgabe einer großen Zeitung durchzulesen. Würg.

01. 09. 2008

Kriegsinstrument?

Abgelegt als: Blogosphäre, Ausland, Krieg und Frieden - freiburgerthesen @ 22:55

Zettel schreibt über Peter Scholl-Latour. Ein wirklich sehr lesenwerter Artikel, auch für Leute interessant, die ich nicht zwingen kann, bei Zettel zu lesen (der Angesprochene weiß schon Bescheid). Vorab gesagt: PSL geht mir fürchterlich auf die Nerven. Ein Mann, der alles weiß, und sogar noch alles besser, der völlig unbeirrt weiter quatscht, auch, wenn man ihn auf die Gelegenheiten anspricht, bei denen er komplett geirrt hat - so jemand nervt mich einfach.

Aber Typen, die nerven, haben auch oft wichtige und interessante Sachen zu sagen. Und vielfach eine interessante Geschichte. Dass PSL etwa als französischer Fallschirmjäger in Indochina gekämpft hat, habe ich erst durch Zettel erfahren; vorher wusste ich nur, dass er den Krieg kennt (das hat er in irgendeiner Talkshow irgendwann mal gesagt), aber nicht, welch ungewöhnlicher Lebensweg tatsächlich dahinter steht. Auf jeden Fall hat PSL etwas, das ihn mit Helmut Schmidt, mit Herbert Wehner (Korrektur: ich meinte Egon Bahr) und auch mit Zettel selbst verbindet: Er ist ein älterer Mann mit einer gewissen Sturheit und einer großen Lebenserfahrung, der mich oft nervt und ebenso oft bedenkenswerte Dinge sagt, die mich nicht immer sofort überzeugen, mich aber fast immer zum Nachdenken bringen.

Im Falle dieses Zettel-Beitrags ist es etwas, wo die beiden Herren sich sehr uneins sind: PSL hat gesagt, dass die NATO einmal mehr zu einem Kriegsinstrument gegen Russland geworden ist, und hat dafür Applaus bekommen. Zettel stellt fest, dass dieser Applaus "eine Nachricht über den Stand des deutschen öffentlichen Bewußtseins im Jahr 2008" sei.

Was Zettel meint, darf man wohl berechtigt vermuten: Für ihn ist Deutschland von der transatlantischen Freundschaft schon zu weit abgerückt und in Gefahr, demnächst einer "Volksfront" in den Rachen zu fallen. Doch man kann ihm zustimmen, was die "Nachricht" angeht, sie aber nur anders bewerten.

Denn was war die NATO in ihren Ursprüngen denn anderes als ein Kriegsinstrument (glücklicherweise in einem "Kalten Krieg") gegen die Sowjetunion? Und wird Russland heute wirklich von den USA, den Polen und den Balten, anders wahrgenommen als der Erbe der Sowjetunion? Weiter: Ist diese Wahrnehmung so falsch, wenn man die Tradition sieht, in die Putin das Land stellen will - von den Zaren über die SU hin zum modernen Russland?

Also: Natürlich ist und bleibt die NATO ein Instrument des gegenseitigen Zusammenhaltens gegen ein Reich, das an den Ostgrenzen des europäischen Bündnisses (und damit auch des transatlantischen Bündnisses) von der Zarenzeit bis heute eine Macht aufgebaut und bewahrt hat, die in der Welt ihresgleichen sucht. Welchen Sinn sollte ein reines Militärbündnis wie die NATO auch sonst haben - außer als Kriegsinstrument zu dienen?

Es wurde viel von einer Transformation der NATO geredet, geschehen ist aber doch wenig. Zwar hat man den Nahen und Mittleren Osten als mittelfristigen und China als langfristigen Gegner ergänzt, klar ist aber nach wie vor: Jede Erweiterung des Bündnisses nach Osten und in den Kaukasus dient dazu, ein immer noch als Gefahr wahrgenommenes Russland einzukreisen und möglicher Herrschaftsgebiete zu berauben.

Dabei möchte ich ja nicht einmal sagen, dass das falsch wäre. Jedes Vertrauen gegenüber einem Russland, das von Putin geführt wird, wäre völlig fehl am Platze. Aber doch bitte keine Missverständnisse über die Rolle der NATO.

Alles verpasst!

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales, Gesetze, Humor - freiburgerthesen @ 16:12

Als Blogger muss man fleißiger sein - fleißiger als ich jedenfalls. Einfach mal so zwei Wochen lang anderen Dingen im Leben nachgehen und nix posten, das geht gerade noch, aber dreieinhalb Wochen lang vergessen, die Diskussionen der Anderen zu lesen, das geht überhaupt nicht. Danach ist man ja so out. Und man muss feststellen, dass die Leute, bei denen man gerne liest, plötzlich dabei sind, sich regelrecht an die Gurgel zu gehen und mitzuteilen, man wolle den jeweils anderen jetzt nicht mehr lesen und auch nicht mehr im eigenen Blog kommentieren sehen.

Und worum geht es? Um einen ziemlich aufgeblasenen Blogger von mäßiger Qualität und noch mäßigerem Humor, der in seinem schrägen Weltbild gleich mal eben Hitler-Vergleiche anstellen muss, wenn es gegen den Mindestlohn geht. Um einen Gewerkschaftsbund, der - anstatt so einen geistigen Dünnpfiff einfach zu ignorieren - mit juristischen Mitteln droht und damit den größtmöglichen Fehler macht, nämlich das Thema überhaupt erst interessant werden zu lassen. Weiter um den besagten aufgeblasenen Blogger, der diese Vorlage dankbar aufgreift und die Blogosphäre um Solidarität anheult. Anschließend um (teilweise marktradikale) Liberale, die in ihrem voltaire’schen Kampf um die Meinungsfreiheit der Idioten über das Ziel hinausschießen und die Hitler-Vergleichsposse noch um einige sehr dümmliche Beispiele erweitern. Und damit natürlich dem ursprünglichen Idioten das Gefühl geben, er hätte sogar noch inhaltliche Mitstreiter. Und schließlich um ein Rudel Linker bis Linksextremer (ich darf den Che ja offiziell so nennen), die das kritisieren und ihrerseits mit nicht weniger blöden Hitlervergleichen antworten.

Und das alles habe ich verpasst! Ist das nicht schrecklich? Obwohl… wenn ich mir meine Zusammenfassung noch mal durchlese… ist das eigentlich schrecklich, oder vielmehr ganz erfreulich? Ich habe meine Zeit mit sinnvollen Dingen verbracht und mich nicht einmal gereizt fühlen können, mich in dieses kindische Durcheinander hineinzustürzen. Eigentlich ganz erfreulich.

Vielleicht sollte man doch nicht zuviel bloggen. Sonst sieht man am Ende nur noch Hitler.

P.S.: Mir gefällt aber NUB’s Auseinandersetzung mit dem Thema.

12. 08. 2008

Immer noch nicht näher gekommen

Abgelegt als: Blogosphäre, Ausland, Verschwörungstheorien, Krieg und Frieden - freiburgerthesen @ 15:20

Durch ein eifriges Lesen in der Blogosphäre, inklusive der dort versteckten Links, bin ich nun immer noch nicht wirklich schlauer geworden, was die Hintergründe und eigentliche Entwicklung in Georgien angeht. Wie ich gestern schon sagte: Je mehr Fakten sich bei mir ansammeln, um so weniger vermag ich sie abschließend zu beurteilen.

Bei den Kollegen von BLOG wird die Frage nach der Verantwortung gar nicht mehr gestellt. Für Boche ist dieser Konflikt ganz klar ein Einmarsch der Russen in ein souveränes Land, nachgerade unprovoziert, so, als hätte es vorher gar keinen Kampf gegeben. Auch die Diskussion dreht sich eigentlich nur darum, ob Russland berechtigt war, sein Nachbarland zu überfallen. R.A. etwa merkt an, dass Südossetien gar kein Recht zur Sezession hatte (auch, wenn es ihm persönlich nicht gefällt) und delegitimiert damit das gesamte russische Vorgehen. Wo die deutschen Medien nicht seiner Meinung sind, da sind sie natürlich sowohl "einseitig" als auch von "miese(r) Qualität". Und natürlich bricht dort auch wieder die Diskussion über den Irakkrieg aus.

Spannender sind da schon diese beiden Beiträge von Zettel, in denen er sich mit den drei möglichen "Master Narratives" beschäftigt, die man über den Konflikt bisher erzählen kann. Kurz gesagt, handelt es sich um folgende: Entweder beide Seiten sind "in den Krieg hineingeschlittert", oder Georgien hat hoch gepokert und verloren, weil es an den Schutz des Westens glaubte, oder aber Russland hat die ganze Sache inszeniert, um Georgiens Beitritt zur NATO zu unterbinden.

Dabei behauptet er, diese Sichtweise sei in deutschen Medien eigentlich überhaupt nicht zu finden - wer aber internationale Medien lese, dem schiene sie schon erheblich wahrscheinlicher. Dass ein Beispiel für diese internationalen Medien, das er gibt ausgerechnet ein Beitrag von William Kristol ist, schwächt sein Argument natürlich etwas. Die Washington Post, sein anderes Beispiel, gilt aber nicht gerade als Medium neokonservativer Falken.

Unwohl wird mir aber bei Zettels Wahrscheinlichkeitsabwägungen. Zitat Zettel:

Auch das Timing spricht dafür, daß Rußland der Aggressor ist und Georgien ihm lediglich zuvorzukommen versuchte.

Irgendwie kommt mir das seltsam bekannt vor… oh, vielleicht hierher? Das ist das Problem mit Präventivkriegen: Wer nicht mehr hat als die Behauptung, der andere wolle angreifen, kommt in erhebliche Legitimierungsprobleme. Und zurecht, denn wenn derjenige, der angegriffen hat, nachher nicht mehr der Angreifer sein soll, dann bleibt jede Frage nach der Kriegsschuld sinnlos.

Wobei ich nicht der einzige mit Assoziationen zum II. Weltkrieg bin, denn in der Diskssion zu dem entsprechenden Beitrag meint R.A.:

Persönlich macht mir das Ganze schon sehr den Eindruck einer Inszenierung der Art: "Ab 5.45 Uhr wird zurückgeschossen".

Puuh, Godwin vermieden, jemand anders hat zuerst die Nazis ins Spiel gebracht. Sachlicher geantwortet: Mir wäre nicht bekannt, dass die deutschen Truppen um 5.45 erst die Grenze überschritten haben, nachdem polnische Truppen bereits eine deutsche Provinzhauptstadt erobert und mehr als die Hälfte dieser Stadt vollkommen zerstörten. Mehr Ähnlichkeit mit der 5.45-Situation hat da schon eher die Rechtfertigung der Georgier für den Einmarsch in Ossetien: Man sei zuvor von ossetischer Seite aus beschossen worden.

Der Spiegelfechter hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Er legt das dar, was Zettel als "erstes Narrative" bezeichnet und R.A. offenbar als einzige in Deutschland in den Medien auftauchende Variante kritisiert (was mir irgendwie anders erscheint). Natürlich bleibt auch hier in den Kommentaren nicht aus, dass die gesamte Presse unfähig und gleichgeschaltet ist - nur eben andersrum, Jens’ Kommentatoren beklagen natürlich, dass Georgien hier zu positiv und Russland zu negativ dargestellt werde.

Besonders "schön" ist dabei dieser Kommentar:

Ich glaube eher, dass Russland da in eine Falle gelaufen ist. Die USA werden Georgien nicht helfen und sich in einen Krieg mit Russland einlassen. Sie werden empört sein. Das ist alles. Sie werden Georgien einfach opfern, um ihre Sauerei mit dem Iran starten zu können. Damit sind Russland, dem wohl wichtigsten “Verbündeten” Irans, die Hände gebunden.

Das Evil Empire in voller Aktion. Und ich höre schon George Bush unter seiner schwarzen Kapuze ein schrilles Lachen ausstoßen, während sich Russen und Georgier gegenseitig sinnlos töten.

Ich bin mir nach wie vor unsicher, welchen Varianten der Geschichte ich zustimmen soll - und welchen nicht. Sowohl Zettels Ausführungen als auch die Analyse des Spiegelfechters scheinen plausibel. Klar scheint mir zu sein, dass der Krieg Teil des New Great Game ist, und dass Russland gerade einen entscheidenden Spielzug gestartet hat. Ob dieser allerdings ein Angriff oder ein Gegenangriff war, ob der Zug des Verbündeten des Westens einer gescheiterten Strategie oder dem Chaos zuzuschreiben ist, das kann ich nicht beurteilen.

Mit einem behält der Spiegelfechter auf jeden Fall recht:

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.

11. 08. 2008

Nur ein Penner? Oder die falschen Täter?

Schon vorgestern habe ich den gut geschriebenen und auch recherchierten Artikel von elfkingsdaughter (netzklatsch) zum Tod des Düsseldorfers Hans-Joachim Will empfohlen, der sich mit dem ungewöhnlichen Leben des Opfers beschäftigt. Jetzt wurde diesem Artikel noch ein Update hinzugefügt - es behandelt die neuen Fakten des mittlerweile wohl aufgeklärten Falles. Was die Autorin allerdings wundert, ist der geringe Widerhall, den ein solch brutaler Mord in der nationalen Presse ausgelöst hat. Sogar bei der Lokalpresse ist er mittlerweile in den hinteren Teil verschwunden, und regional kam er über einige kurze Erwähnungen nicht hinaus. O-Ton des Blogeintrags:

In Muenchen (der Fall der "U-Bahn-Schläger", Anm. FT) hatten zwei junge Maenner mit Migrationshintergrund einen braven deutschen Pesnionaer und ehemaligen Beamten, einen Lehrer zudem, attackiert und schwer verletzt. In Duesseldorf war das ermordete Opfer nur ein Loser, ein Parkbanktrinker und die Taeter zwei junge Deutsche.

Zwei interessante Theorien, die durchaus stichhaltig sind. Ob sie aber wirklich die Erklärung sind?

Die Tatsache, dass das Opfer "nur ein Loser" war, scheint mir weniger bedeutsam zu sein. Immerhin hat Will ja eine bewegte Vergangenheit, die die Beschäftigung mit seinem Fall für die Presse durchaus interessant werden lässt - das hat ja elfkingsdaughter mit ihrem eigenen Beitrag durchaus nachweisen können. Vor allem, als der Fall noch nicht geklärt schien, hätte man mit Spekulationen über einen möglichen politischen Hintergrund ("Wollte Will Details aus der Vergangenheit veröffentlichen?") durchaus auch auf dem Boulevard weiter anheizen können.

Die zweite Theorie wiegt schon schwerer. Sicherlich kann man mit ausländischen Straftätern an manchen Stammtischen leichter punkten als mit Deutschen - aber es waren ja dennoch Heranwachsende, die da den Mord begangen haben, insofern würde die Tat zwar nicht das Stammtischthema "Ausländer", aber doch das Stammtischtheme "kriminelle Jugendliche" bedienen. Auch diese Begründung scheint mir nicht auszureichen.

Ich würde einen Begründungskomplex wählen, einen durchaus politischen noch dazu. Denn es war im Münchner Fall ja nicht allein die Presse, die die wochenlange Berichterstattung betrieben hat - das Thema wurde damals durch eine ständige Rückkopplung von Medien, Politik und öffentlicher Diskussion am Leben erhalten. Ein Großteil der Medien sprang erst auf, als die Politik das Thema bereits für sich entdeckt hatte. Vor allem das ist diesmal nicht der Fall. Warum nicht?

Erstens: Es ist kein akuter Wahlkampf, vor allem nicht in NRW. Jetzt schnelle Punkte mit eiligen Äußerungen zu machen, ist kaum möglich.

Zweitens: Für die Union ist das Thema aufgrund der Nationalität der Täter schlecht geeignet, weil es ihrer (impliziten) Argumentation, man könne die Jugendgewalt vor allem durch das schnelle Abschieben ausländischer Straftäter senken, entgegenwirkt.

Drittens: Die NRW-Regierung müsste sich fragen lassen, ob sie nicht mit dafür verantwortlich ist, wenn so etwas passiert. Die Kürzungen bei der Finanzierung der Polizei würden in Frage gestellt; das besonders, weil ja auch der Fall der toten älteren Dame aus der Trinkerszene ("Tante Inge") möglicherweise vorschnell als ein Unfall abgeschlossen wurde - und sich nun möglicherweise noch als ein unbemerkter Mord herausstellen könnte.

Viertens: Die NRW-Opposition hat kein Interesse an einer Diskussion, weil jedes Aufkommen einer Debatte über Jugendgewalt und Kriminalität im Allgemeinen für gewöhnlich nur der Union nützt. Besonders, da einer der Täter derzeit "auf Bewährung" war, dieses Thema sich also wieder für Forderungen nach härteren Strafen nutzen lassen könnte.

Fünftens: Das Interesse der SPD dürfte auch durch die Tatsache eingeschränkt sein, dass eine Beleuchtung des Lebenslaufes des Opfers ihnen möglicherweise sogar schaden könnte. In der Partei der Solidarität wird ein früherer prominenter, aktiver Genosse nach Ende seiner Arbeit für die Partei nach und nach völlig vergessen, selbst frühere enge Mitarbeiter nehmen kaum Notiz davon, dass Hans-Joachim Will sozial abrutscht und als Trinker im Park endet - das sieht nicht sehr gut aus.

Somit hat also keine politische Richtung die Sicherheit, aus einer einmal angestoßenen Diskussion mehr Vorteile als Nachteile erlangen zu können. Sie passt einfach nicht ins Konzept, also schweigt man sie lieber tot - und hält die Presse mit anderen Diskussionen in Atem. Traurig, aber so scheint es nun einmal zu sein.

Vielleicht kann eine weitere intensive Diskussion in der Blogosphäre das noch ändern - wert wäre es das Thema jedenfalls, dass sich die Öffentlichkeit damit beschäftigt. Sich fragt, was man gegen das Abrutschen junger Leute in die Kriminalität wirklich tun kann. Diskutiert, was man unternehmen kann, wenn der einst hochgeschätzte Kollege nach und nach in Alkohol und Einsamkeit versinkt. Zum Thema macht, wie man auch die Sicherheit der Schwachen in der Gesellschaft wirklich verbessern kann, anstatt immer nur dem Terrorismusgespenst nachzulaufen. Und einmal thematisiert - dafür bin ich elfkingsdaughter dankbar - warum ihre täglichen politischen und gesellschaftlichen Gespräche so stark von der Agenda der Parteien und politischen Klasse bestimmt werden.

Vielleicht.

09. 08. 2008

Empfehlung VIII

Abgelegt als: Personen, Blogosphäre, Kriminalität - freiburgerthesen @ 9:52

Eigentlich wollte ich ein paar Zeilen zum Opfer des Verbrechens schreiben, dessen Tätern Udo Vetter nachträglich den Rat gibt, sie hätten besser die Klappe gehalten. Ein brutales Verbrechen, sicher, und es wird wohl wieder einen Aufschwung in der Diskussion zur Jugendgewalt erzeugen, da die beiden Täter lange bekannte Intensivtäter waren und hier mit einem Mord ihre kriminelle Karriere gekrönt haben. Interessant finde ich aber an diesem Fall vor allem die Lebensgeschichte des Opfers, das einen Aufstieg in die Höhe der Gesellschaft geschafft hat und dann Stück für Stück bis ganz nach Unten durchgereicht wurde.

Bei der Recherche stolperte ich aber über diesen Blogeintrag einer Bloggerin, die selbst in Düsseldorf lebt und studiert hat. Sie hat eine beachtliche Recherche betrieben und einen hervorragenden Beitrag verfasst, der nachdenklich stimmt. Sehr lesenswert.

31. 07. 2008

Empfehlung VI

Abgelegt als: Blogosphäre, Zivilgesellschaft - freiburgerthesen @ 10:04

Einen einzelnen Kommentar hatte ich vorigen Artikel schon hervorgehoben, ich möchte aber auch den ganzen Beitrag empfehlen: Jan Filter formuliert die staatskritische Theorie zum Rückgang ehrenamtlichen Engagements. In den Kommentaren antwortet Roger Beathacker mit der marktkritischen Theorie. Vielleicht wird daraus noch eine interessante Diskussion…

29. 07. 2008

Zynisch - und ahnungslos

Abgelegt als: Blogosphäre, Soziales, Liberalismus, Energie - freiburgerthesen @ 12:28

Den "zynischen Liberalen" sei entschieden zu begegnen, forderte vorhin ein Kommentator unter meinem letzten Beitrag. Da kann ich nur zustimmen. Und wie anders als zynisch sollte man es nennen, wenn einer der Bloggerkollegen von nebenan Thilo Sarrazin bei seinem letzten Verbalausfall auch noch zustimmt, ihn sympathisch nennt und sagt, dass der Mann ihm gefällt? Wir erinnern uns, Sarrazin hatte arbeitenden Menschen, deren Einkommen mehr und mehr von den Energiekosten aufgefressen wird, den Rat gegeben, doch eben die Temperatur auf 16 Grad herunterzuschrauben und sich im Winterpulli in die eigene Wohnung zu setzen.

Sein (sozialdemokratisches?!?) Ideal für die Zukunft lehnt sich dabei an die Vergangenheit an: „Bei uns waren es zuhause immer 16 Grad. Am Morgen hat mein Vater die Koksheizung befeuert und sie erst am Abend, wenn er von der Arbeit zurückkam, wieder angemacht. Das hielt dann immer gerade für 16 Grad. Ich habe es überlebt“. Unerträglich, solche Sprüche. Ich habe schon die Grünen verachtet, wenn sie angesichts steigender Benzinpreise die Chuzpe hatten, auch Berufspendlern zu vermehrtem Radfahren zu raten - aber die können immerhin oft sagen: "Ich mache das auch so". Dass Herr Sarrazin hingegen bei 16 Grad im dicken Pullover sitzt, ist nicht zu erwarten. Solche Kommentare angesichts eines sinkenden Lebensstandards und einer immer weiter auseinandergehenden Wohlstandsschere sind völliger Zynismus.

Und auch die Netz-Julis zeigen mal wieder ein bemerkenswertes Unverständnis für die Sorgen und Nöte der einfachen Menschen im Land. In einem Kommentar unter dem oben verlinkten Blogbeitrag schreibt Jan Filter (der ansonsten richtig anmerkt, dass sich die Menschen durch solche Bemerkungen für dumm verkauft fühlen): "mal ganz ganz nebenbei: wie kommt man eigentlich auf die Idee, bei der Affenhitze mit so einem Thema anzufangen?". Ich nehme einfach mal an, dass der junge Herr Filter noch bei seinen Eltern wohnt und zu dieser Zeit wohl eher an das Freibad denn an finanzielle Probleme denkt. Denn sonst hätte ja auch er vor wenigen Tagen eine Erhöhung der Gaspreise oder der Wohnungs-Nebenkosten ins Haus bekommen - oder seinen Öltank für den Winter aufgefüllt und dabei festgestellt, wie teuer das Öl geworden ist. Darum fängt man bei dieser Affenhitze mit diesem Thema an, guter Mann.

Wessen Marktwert zu niedrig ist, der soll trotz fleißiger Arbeit hungern und frieren - in diesem Credo erkenne ich nichts weiter als eine Variante jenes aristokratischen Despotismus, gegen den der Liberalismus seinen ersten großen Kampf gewonnen hat. Nicht aber eine politische Bewegung, die die Freiheit des Menschen im Auge hat.

28. 07. 2008

Ist das der gängige Liberalismus?

Abgelegt als: Blogosphäre, Liberalismus - freiburgerthesen @ 21:26

Liberalismus, ja, das ist ein weites Feld. Sicher sind meine Ansichten zu vielen, vielleicht sogar der Mehrheit der Themen, nicht mit denen mancher Diskussionspartner zu vergleichen. Aber wenn eine solche verächtliche und würdelose Haltung hier für die Jungen Liberalen typisch sein sollte, dann frage ich mich, wohin sich diese politische Richtung im Augenblick entwickelt:

Ende der CO2-Besteuerung. Sicherlich 20% des Stimmviehs glauben nicht an eine menschengemachte globale Erwärmung oder geben einen Kehricht darauf, dass ihre Handlungen den Planeten erwärmen könnten. Mangels Alternativen würde eine solche Klientel, die zu weiten Teilen einfach nur querulatorisch veranlagt ist, alle anderen Ziele einer Partei in Kauf nehmen, selbst wenn es ihren Interessen zuwider läuft, wenn allein jemand gegen den Klimaterror einsteht.

(…)

Ein Fünftel der Ost-Wahlberechtigten wählt die PDSED, die als Wähler und größtenteils traditionelle Systemprofiteure für eine liberale Partei unerreichbar sind. Wie bescheuert muss man als Partei sein, wenn man da nicht die Wessis gegen die Ossis ausspielt?

"Stimmvieh"? Eine "querulatorische" Klientel mitnehmen, weil es den Parteiinteressen dient? Und das soll "erzliberal" sein? Die Rhetorik, die Haltung gegenüber dem Mitmenschen, der Stil erinnern an etwas anderes. Und das ist sicherlich nicht "irgendwie-liberal".

22. 07. 2008

Traurig - und interessant

Abgelegt als: Blogosphäre, Liberalismus - freiburgerthesen @ 23:36

Dass die FDP immer nur als "Partei der Besserverdienenden" betrachtet wird, das kennt man ja. Dass aber selbst politisch interessierte Leute, die schon länger leben, es also besser wissen sollten, überzeugt davon sind, die Liberalen seien schon immer eine "neoliberale" Partei gewesen (und schon seit aller Ewigkeit der "kleine Bruder" der Union), darüber bin ich immer wieder enttäuscht. Die "Freiburger Thesen", nach denen ich dieses Blog benannt habe, sind ein klares Gegenbeispiel dafür, dass Liberalismus stets radikalkapitalistisch und meist kulturkonservativ daherkommen muss; allein, es kennt sie kaum noch einer.

Das musste ich heute wieder einmal erkennen. Obwohl mein Blog bei Google immer noch den bescheidenen "Page Rank" von 2 hat (also als recht unbedeutend gesehen wird), kommen fast täglich Menschen mit dem Suchbegriff "Freiburger Thesen" hierher. Ich habe den Begriff selbst mal bei Google eingegeben - und siehe da: hinter der Wikipedia und dem pdf-Download des "Originals" bei der Friedrich-Naumann-Stiftung belegt dieses Blog dort den dritten Platz bei den Suchergebnissen. So uninteressant scheint das Werk zu sein, dass sich kaum ein wichtiges Medium mehr an es erinnern mag, dass kaum mehr eine Auseinandersetzung mit ihm erfolgt. Schade.

Zwei interessante Punkte sind mir dort aber auch noch aufgefallen.

Zum einen ist dies ein programmatischer Beitrag von Karl Krohn aus der FDP Norderstedt, der sich mit ähnlichen Gedanken beschäftigt, wie sie mich umtreiben. Der Kampf gegen "Rentnergesinnung und Kartelldenken", von dem er spricht, scheint mir tatsächlich der Kampf der Liberalen im 21. Jahrhundert zu sein - wobei die Marktradikalen oft dazu neigen, den Kampf gegen die Rentnergesinnung aufzunehmen und den gegen das Kartelldenken zu ignorieren, weil man diesem "mit politischen Mitteln ohnehin nicht begegnen kann". Wenn das so wäre, dann würden wir den Kampf insgesamt aufgeben und uns zu reinen Bütteln des Kapitals machen - zu jenen Neoliberalen, die die äußere Linke bekämpfen will.

Zum anderen fiel mir der Satz auf, der unter meinem eigenen Google-Eintrag steht: "Präsentation des Tagebuchs eines FDP-Mitglieds, der sich in der linksliberalen Tradition sieht". Den habe ich niemals geschrieben, insbesondere habe ich niemals geschrieben, ob ich (noch oder schon) Mitglied der Freien Demokraten bin. Also habe ich den Satz selbst einmal bei Google eingegeben. Und voilà: Da tauchten drei Online-Verzeichnisse auf, in denen ich aus irgend einem Grund gelistet bin. Immer in einer Kategorie mit fünf anderen Blogs, von denen ich vier kenne: Jürgen Martinschledde, "Der Morgen", "Neues und Bekanntes" sowie "Sozialliberal" (das übrigens leider tot zu sein scheint) finden sich dort. Und ein Blog namens "Schutzkreis", das seit Juli 2005 offenbar zehntausende von Einträgen hat, von dem ich aber noch nie gehört habe. Seltsam. Auf jeden Fall werde ich es aber weiter beobachten, denn die Autorin schleppt interessante Links mit Kurzkommentaren zuhauf zusammen.

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