10. 10. 2008

Da kriegt man ja Angst!

Abgelegt als: Medien, Ausland, Humor - freiburgerthesen @ 7:37

Ein SpOn-Titel von heute:

 

USA: Gericht erlaubt Todesspritze auch bei Übergewicht

 

Nehmt ab, wenn Euch Euer Leben lieb ist! Die Amis, die wissen wenigstens, wie man mit dem Problem der Dicken umgeht. Nicht so zimperlich wie hier, wo man es einfach mitmacht, dass einem diese fetten Leute sowohl den Ausblick verschandeln als auch auf der Tasche liegen! Schnell mal draufgeklickt - oh, war wohl doch was anderes. Naja… ;)

(Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist übergewichtig. So, wie zwei Drittel der deutschen Männer auch. Und hält das für sein persönliches Problem. Wenn er es denn überhaupt als Problem sieht). 

09. 10. 2008

The Dark Knight

Abgelegt als: Gesetze, Kriminalität, Zivilgesellschaft - freiburgerthesen @ 10:09

Ich war schon als Kind kein großer Comic-Fan, insbesondere von Superhelden-Geschichten; diese Stories reizten mich einfach nicht, weil sie meist außer Action und schrill-buntem Durcheinander nicht viel zu bieten hatten. Ein großer Fan von Hollywood-Filmen bin ich aber, und als solchem kamen mir in den letzten Jahren schon einige Comic-Verfilmungen unter. Diese haben meine Meinung über das Superhelden-Genre ein wenig verbessert. Moralische und ethische Fragen, schwierige Entscheidungen spielten hier teilweise eine Rolle, und Freunde, die bereits als Kinder die Comics gelesen hatten, versicherten mir, dass eifrige Leser auch in den Originalen oft genug über solche Glanzstellen stolperten. Trotzdem habe ich nicht mehr angefangen, Bildergeschichten zu lesen… ;)

Einen oder zwei der "alten" Batman-Filme hatte ich mir angesehen. Ich kann mich noch erinnern, dass mir einer so halbwegs gefiel, weil er eine düstere Atmosphäre zu schaffen verstand, der andere hingegen das pure Grauen in einer knallbunten Comic-Optik war, sodass ich eigentlich nie wieder einen dieser Filme sehen wollte. Trotzdem landete ich irgendwie in "Batman Begins". Und weil mir dieser Film gefiel - wieder sehr düster, mit einer echten Handlung und gelegentlich sogar zum Mitdenken anregend - ließ ich mich auch dazu überreden, mir gestern Abend "The Dark Knight" im Kino anzusehen. Schlicht gesagt: Ich war begeistert.

(Achtung: Mit "Spoilern"!)

Sicher, TDK ist kein intellektueller Film. Er ist und bleibt Popcorn-Kino, bei dem vor allem die Action im Vordergrund steht und das auch für jene interessant sein soll, die lieber ihr Gehirn an der Kinokasse abgeben (oder gleich zuhause lassen). Doch wenn man aufmerksam die Geschichte verfolgt, besonders die Dialoge mit dem Joker (echt schade um Heath Ledger), dann entdeckt man doch viel mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Die wichtigste Frage, die der Film an den Zuschauer stellt (und ihm eigentlich nicht vollständig beantwortet), ist eine, mit der sich viele von uns im Geschichtsunterricht bereits beschäftigt haben:

Was und wieviel davon ist nötig, um die Fassade der Moral und Zivilisation von einem Menschen abzukratzen und darunter das nackte Grauen aus Wahnsinn und Gewalt zum Vorschein zu bringen?

Batman ist bei der Entwicklung dieser Frage im Film eigentlich mehr ein Zuschauer wie wir selbst. Die Antipoden sind vielmehr der junge, gutaussehende, von der Gerechtigkeit beseelte Staatsanwalt Harvey Dent einerseits und der Joker, ein absolut moralfreier, wunderbar irrer und doch noch nachvollziehbarer, anarchistischer Terrorist. Faszinierend ist daran, zuzusehen, wie es dem Joker gelingt, den von seinen Mitmenschen völlig überhöhten Dent, der am Ende doch nur ein schwacher und fehlbarer Mensch ist, nach und nach in den Wahnsinn zu stürzen und schließlich als "Two-Face" zu einer Orgie von Haß und Gewalt zu führen. Auch sehr gelungen ist hier die Tatsache, dass beide "Gesichter" schon zuvor in ihm angelegt waren - bereits in vorhergehenden Szenen, in denen Dent sehr unter Druck gerät, zeigt er die Möglichkeit, sich von seinem moralischen Weg abzuwenden, mehrmals auf.

Besonders gut gefiel mir aber eine Szene mit zwei Fähren, die mit beschädigten Motoren und gefüllt mit Sprengstoff mitten auf dem Fluss sitzen. In einer sitzen die Insassen der örtlichen Haftanstalt, in der anderen scheinbar biedere, zunächst freundlich erscheinende Bürger, die nur schon ein wenig in Panik sind. Joker teilt ihnen mit, dass an Bord jedes Schiffes der Zünder für den Sprengstoff an Bord des anderen Schiffes liegt - und er beide Schiffe sprengen werde, wenn nicht binnen einer Stunde eines der beiden Schiffe explodiere. Er lässt ihnen also die Wahl, zu Massenmördern zu werden, um das eigene Leben zu retten. Ein "interessantes soziologisches Experiment", meint der Joker - und bei aller Amoralität ist es das durchaus.

Im Verlaufe der Szene schnappt sich einer der Kriminellen den Zünder und wirft ihn über Bord - während auf dem anderen Schiff der Wortführer der "guten Bürger" zunächst eine Abstimmung durchsetzt, bei der sich etwa 75% dafür entscheiden, das Kriminellenschiff zu sprengen. Dann aber ist der Mann nicht in der Lage, persönlich die Zündung durchzuführen, und setzt sich erschlafft wieder hin, um auf das Ende zu warten.

Diese eine Szene enthält gleich vier interessante Botschaften:

1. Auch unter denen, die einen kriminellen und verderbten Lebensweg eingeschlagen haben, existiert noch ein guter Funke klassischer Moral, und selbst ein übler Verbrecher und Mörder kann uns noch positiv überraschen.

2. Auch bei jenen, die mit einem hohen moralischen Anspruch durchs Leben laufen, braucht es oft nur eine lebensbedrohende Situation, um zu reißenden Bestien zu werden, denen das eigene Dasein erheblich wichtiger ist als jede Moral.

3. Wenn es zu einer solchen Situation kommt, ist der Unterschied zwischen jenen Menschen, die wir als "gut" und jenen, die wir als "böse" eingestuft hätten, oft erstaunlich gering.

4. Es ist erheblich leichter, innerhalb eines demokratischen Prozesses sein Kreuzchen bei "lasst uns einen Massenmord begehen" zu machen, als es tatsächlich selbst und mit eigener Hand zu tun.

Und diese Szene ist zwar klar die beste, aber nicht die einzige gute Szene im Film. Sicher, sie behandelt Fragen, mit denen wir Hobby-Moralphilosophen hier in der Blogosphäre und der politischen Subkultur uns immer wieder beschäftigen. Der ganze Film enthält für mich kaum etwas Überraschendes. Was aber schön ist, ist, dass sich ein Popcorn-Film überhaupt solchen Fragestellungen annähert und diese einem breiten Publikum unter die Nase hält. Allein dafür kann ich "The Dark Knight" nur loben.

05. 10. 2008

Spannende Frage

Abgelegt als: Wirtschaft, Kriminalität - freiburgerthesen @ 22:59

Christian Söder fragt:

Bei der FAZ ist zu lesen, dass eine Pleite der Hypo Real Estate den Staat weitaus teurer käme als eine Rettung. Was ich mich nun frage: warum wurde zugelassen, dass ein Institut so groß wird, dass es einfach nicht fallen darf? 

Ironie?

Abgelegt als: Wirtschaft, Liberalismus, Paternalismus - freiburgerthesen @ 22:41

jo@chim hat drüben beim A’team ein äußerst zutreffendes Video eingebracht, das ich aber irgendwo schon gesehen zu haben meine. Es geht um den ansteigenden Grad an Überwachung durch staatliche (und zunehmend auch durch "privat" genannte, von der Macht her aber eher pseudostaatlich zu nennende) Institutionen. Wirklich neu und überraschend ist das nicht, sondern es entspricht eher der Notwendigkeit, diesem gemeinsamen Anliegen Liberaler und Linker immer wieder und wieder Gehör zu verschaffen.

Spannend ist vielmehr ein Kommentar von jemandem, den ich für echt gehalten hätte, wenn er sich nicht gerade den Namen "Liberale Eskapaden" gegeben hätte: 

 

Der Frosch im Wasser passt zu big goverment und seinen Folgen…Die Staatsquote steigt allmählich an…Die Steuern steigen allmählich an…Die Regulationen nehmen zu…Das geht solange, bis die Wirtschaft zusammen bricht…Ich habe nichts gegen Kriminalitätsbekämpfung…Die Überwachung öffentlicher Plätze hat gute Erfolge erzielt…De Linken sind Freunde der Kriminellen…Sie wollen überhaupt keine Überwachung…Es geht ihnen dabei um ihre Extremistenfreunde…Ich aber will daß Linksextremisten bekämpft werden…Problematisch ist es wenn Unternehmer überwacht werden…Das sind keine schädlichen Kriminiellen…Der Zugriff auf Konten der Steuerzahler geht zu weit…Das ist dann wieder big goverment…Ein Steuerstaat fördert keine Leistung…Dann lieber ein Minimalstaat und eine Überwachung von Kriminellen.

 

Ironie, die ich nur sehr begrenzt teile. Besonders jo@chim hat es eigentlich nicht verdient, dass man sein Engagement gegen den Paternalismus als Feigenblatt diskreditiert.

Novität? Nö.

Abgelegt als: Gesundheit, Zivilgesellschaft, Paternalismus - freiburgerthesen @ 9:28

Das hier heißt bei uns doch wohl Schützenfest, Karneval, Oberstufenparty oder schlicht Wochenende. Chat Atkins hat Recht: Neu ist nur das Internet…

04. 10. 2008

Widerspruch

Abgelegt als: Ausland, Wirtschaft - freiburgerthesen @ 9:13

Wir glauben alle an die freie Marktwirtschaft", betonte die Demokratin Pelosi, aber "unregulierte und nicht überwachte" Aktivitäten an der Wall Street hätten "ein Chaos produziert", dass es künftig nicht mehr geben dürfe.

Entschuldigung, aber bei solchen Sätzen muss ich erst mal eine Weile vor mich hinkichern. Der unüberwindliche Glaube der Amerikaner an die freie Marktwirtschaft wird selbst dann noch betont, wenn sich gerade herausgestellt hat, dass der vollkommen freie Markt offenbar doch nicht so toll funktioniert. Dann wird viel Geld ins System hineingeschubst, einmal leise die Frage gestellt, ob etwas mehr Kontrolle und Regulierung nicht vielleicht doch sinnvoll gewesen wäre, und danach weitergemacht wie bisher. Na toll.

Kommentare in Blogs…

Abgelegt als: Medien, Blogosphäre - freiburgerthesen @ 8:57

…sind gehaltvoll, inhaltlich anspruchsvoll und gut geschrieben. Das denke ich jedes Mal, wenn ich den Fehler gemacht habe, mir die Kommentare in der Online-Ausgabe einer großen Zeitung durchzulesen. Würg.

18. 09. 2008

Beleidigungen

Abgelegt als: Ausland, Liberalismus, Kriminalität, Zivilgesellschaft - freiburgerthesen @ 23:30

Über Christan Soeder bin ich auf den beck-blog gekommen, einen Blog von Experten für Rechtsfragen. Und dort auf eine Reihe verschiedenster Beiträge zur Frage der Beleidigung von Polizeibeamten, von dort weiter zu diversen Fragen der Beleidigung und ihrer rechtlichen Würdigung. Mit der Erkenntnis, dass die Frage der Beleidigung in Deutschland eigentlich nicht zu klären ist und man sich auf sein Glück verlassen muss ("Vor Gericht und auf hoher See…").

Manchmal fragt man sich, ob da die amerikanischen Standards nicht besser wären. Da wird man vielleicht öfter ungestraft beleidigt, aber man kann auch mehr frei Schnauze reden…

Unwürdig

Abgelegt als: Parteien, Medien - freiburgerthesen @ 9:38

Sicherlich bin ich kein Freund der Linkspartei. Ihre politischen Ideen halte ich für halbgar bis gelogen, ein guter Teil ihres Spitzenpersonals ist diktatorisch kontaminiert, gerade im Westen sind auch viele schlichte Spinner und Wirrköpfe dabei. Andererseits vertritt diese Partei natürlich auch berechtigte Anliegen und wird immerhin von einem guten Zehntel der Bevölkerung entweder gewählt oder als bevorzugte Partei bei kommenden Wahlen aufgeführt. Grund genug, sich auch scharf und direkt inhaltlich mit "der Linken" auseinanderzusetzen.

Wenn ich mir aber die beiden SpOn-Videobeiträge ansehe, über die sich Christian Söder und Moritz Homann zurecht beklagen, dann sehe ich zwar eine scharfe und nachgerade unfaire, bei Gott aber keine inhaltliche Auseinandersetzung.

In "Linke Party", einem Bericht über einen Sommermedientreff der Linkspartei, werden Aussagen zurechtgestutzt und aus dem Zusammenhang gerissen. Das nicht unübliche Interesse eines Funktionärs (Gysi) an den Aussagen eines Anderen (Bartsch) wird als "soziale Kontrolle" bezeichnet, so, als wäre Gysi eine Art Politoffizier, der seinen Parteifreund bei dessen Interviews überwache. Und der Gipfel ist das Interview mit Oskar Lafontaine Gregor Gysi: Man merkt, dass es später am Abend ist, denn Lafontaine Gysi ist offensichtlich schon ein wenig benebelt; kein Grund, ihn nicht doch zu einem Interview zu drängen. Als er darum bittet, eine kleine Unterbrechung zu bekommen, um einen Namen nachzufragen, der ihm entfallen ist, heuchelt die SpOn-Redakteurin Verständnis und tut so, als würde das bisherige Interview so geschnitten, dass nur die nachfolgenden Sätze öffentlich erschienen. In Wahrheit aber nutzt sie die Bilder, um diesen bloßzustellen und sich über ihn lustig zu machen. Unwürdig.

Nicht viel besser ist "Sozialistische Geburtstagsparty". Wieder wird auf den Alkoholgenuss der "Linken" abgestellt, diesmal versucht man, Lafontaine lächerlich zu machen. Ein Witz über Stalins Lieblingslied, (Lafontaine meint, wenn er das singe, dann könne man ihn wenigstens teilweise zurecht als Stalinisten bezeichnen) wird direkt mit "Stalin als Vorbild" zusammengefasst. Dazu kommen Interviews, in denen der politische Gegner vergiftete Geburtstagsgrüße für den Saarländer abgeben darf und Steinbrück in seiner üblich rotzigen Art Verachtung ausdrückt - auch das ist unwürdig.

So jedenfalls sieht der richtige Umgang mit der Linkspartei und Oskar Lafontaine nicht aus. So wird man sie nicht bekämpfen können, im Gegenteil: So hilft man ihnen, sich als verfolgt und verfemt darzustellen. Schade, SpOn.

16. 09. 2008

Verschlüsselung?!?

Abgelegt als: Personen, Verschwörungstheorien - freiburgerthesen @ 17:40

Nachdem ich noch ein paar Artikel über die Münte-Ypsi-Affäre gelesen habe, stellt sich mir mittlerweile vor allem eine Frage: Wie kann es sein, dass vertrauliche Gespräche zwischen Spitzenpolitikern unseres Landes offenbar ohne jede Sicherheitsvorkehrung geführt werden? Der Rückruftrick, den ich in meinem vorigen Beitrag zu diesem Thema angesprochen habe, ist da ja nur eine simple Vorkehrung. Aber wie ist es mit Verschlüsselung? Ein solches Gespräch wird geführt, und es kann im Prinzip jeder mithören? Die CDU, die Taliban, der FSB? Wie ungeschickt…

Next Page »

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: