Ähnlich
Irgendwie erinnert mich der Hype um Barack Obama stark an die Papst-Hysterie: Man ist begeistert von einem Typen, über den man eigentlich nichts weiß, dessen Programm man nicht wirklich kennt, nur weil er… ja, was eigentlich? Anders ist? Neu ist? Was soll die Begeisterung?
Gut, ich finde Obama klasse, weil sich viele seiner Vorstellungen mit den meinen decken. Wobei ich nicht dem Irrtum vieler hiesiger Sozialdemokraten unterliege, er sei ein solcher. US-liberal, ja, aber das ist immer noch nicht wirklich "links", kein "demokratischer Sozialismus". Es steckt immer noch viel Marktwirtschaft in einem wie Obama, viel Religion, viel "American Values". Sonst wäre er auch nicht da, wo er jetzt ist.
Ob er allerdings Präsident wird, da habe ich so meine Zweifel.



Diese Zweifel teile ich, nicht zuletzt, weil Obama ein Schwarzer ist. Woher hat der weitgehend unbekannte Obama - bisher - auch nur so viele Wahlkampfgelder organisieren können, während die favorisierte Hillary Clinton bei ihrem innerparteilichen Vorwahlkampf sogar Schulden hat machen müssen?
Ist es zuviel vermutet, daß man im “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” von interessierter Seite zunächst bewußt die Protegierung von Barack Obama betrieben hat und nun, nachdem Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin ausgeschaltet worden ist, wieder in altbewährter Manier den Kandidaten der Republikaner finanziell und mit “guter Presse” zu unterstützen?
Comment by Markus — 24. 07. 2008 @ 12:56
Also, das ist mir ein bisschen zu viel Verschwörungstheorie.
Zunächst einmal muss man betrachten, dass die meisten Spenden Obamas Klein- und Kleinstspenden waren; er hat also offenbar nicht das große Kapital, sondern vielmehr eine große Zahl an Leuten motivieren können, denen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen (oder die weniger bereit sind, es in eine Wahlkampfspende zu stecken).
Dann hat sich die Zahl und Höhe seiner Spenden während des Wahlkampfes erheblich gesteigert. Am Anfang hatte Hillary Clinton das größte Spendenkonto; erst im Laufe der Zeit, als sich Obamas Vorteil zeigte, kam das Geld zu ihm.
Meine Zweifel stammen nicht aus Betrachtungen seiner Hautfarbe oder irgendwelcher finsteren Hintermänner, sondern liegen daran, dass ich glaube, dass Obama für viele Wechselwähler nicht überzeugend sein könnte.
Comment by freiburgerthesen — 24. 07. 2008 @ 13:18
Es haben einige Kommentatoren des Geschehens durchaus Recht, wenn sie sagen, der Deutsche werde auch noch gegen Obama etwas finden, wenn er erst mal Präsident ist. Zwar gibt es deutliche Unterschiede, wer welche Politik in diesem Amt macht, es ist aber kein Amt, in dem man leicht so etwas wie ein Popstar wird oder allen gut gefallen und keinem wehtun kann. Irgendwer wird immer was auszusetzen haben, auch an einem Präsident Obama, auch hier. Wenn es dazu kommen sollte.
Über McCain sagen ja manche, der sei ja schon ziemlich mitgenommen. Regieren von der Intensivstation aus wäre natürlich auch nicht so toll.
Comment by NUB — 24. 07. 2008 @ 16:38
@ Freiburger
Man muß es nicht unbedingt Verschwörungstheorie nennen, man kann auch Cleverneß der ökonomischen Machteliten sagen.
Comment by Markus — 24. 07. 2008 @ 21:21
Zum einen Macht es mir Angst, wie bereitwillig das Volk einem Demagogen zujubelt, der nichts anderes fordert als George Bush auch (mehr Truppen in den Irak, in Afghanistan, Hilfe im bevorstehenden Krieg gegen den Iran), dass aber in eine schicke Show, hohle Floskeln (”Change”, “Yes we can”) und ein strammes Kollektivegefühl packen kann. Man sollte meinen, dass gerade die Deutschen da vorsichtiger geworden sind, dem ist aber scheinbar nicht so.
Zum anderen würde spätestens mit dem Beginn des Irankriegs die Beliebtheit von Obama kollabieren, dann wäre halt er, nicht mehr Bush der neue Hitler. Aber wie du schon selbst geschrieben hast: Wahrscheinlich wird ohnehin nicht er, sondern McCain Präsident. Wenn man bedenkt, dass der den Wahlkampf noch gar nicht richtig begonnen hat, während Obama schon die schweren Geschütze auffährt, dann ist es nicht unmöglich, dass die Demokraten ihr ganzes Pulver einmal mehr im Vorfeld verschießen und bei der eigentlichen Schlacht im Herbst erneut als drittklassige Amateure ohne Strategie und Inhalte entlarvt werden.
Comment by Wiener Mutt — 25. 07. 2008 @ 10:37
@wiener mutt:
Eigentlich will Obama aus dem Irak abziehen, mit den dort abgezogenen Truppen die immer mehr in Bedrängnis geratenen Truppen in Afghanistan verstärken und wendet sich gegen einen Krieg im Iran.
Was aber Deine Einschätzung der Wahlkampfsituation angeht, so sehen wir das wohl ähnlich.
Comment by freiburgerthesen — 25. 07. 2008 @ 18:56
Richtig: Obama möchte die US-Truppen aus dem Irak abziehen. Aber er hat ja selbst gesagt, dass er möchte, dass dafür mehr europäische Truppen die abgezogenen Amerikaner im Irak zumindest teilweise ersetzen. Das meinte ich mit “mehr Truppen”: Mehr europäische Truppen. Da war ich leider undeutlich.
Und seine letzten Kommentare dazu, dass man unbedingt verhindern müsse, dass der Iran Atomwaffen erhält, lese ich als Hinweis darauf, dass er sehr wohl gewillt ist “tough on Iran” zu sein. Er singt… äh… sagt das nur nicht so deutlich wie McCain
Comment by Wiener Mutt — 25. 07. 2008 @ 19:37