Warum gerade die?
In der Blogosphäre gibt es eine ganze Reihe sehr polarisierender Personen und Blogs, die sehr unterschiedliche Meinungen vertreten.
Das Antibürokratieteam etwa vertritt meist eine wirklich radikal marktradikale Position, gut formuliert und nicht allzu weichgespült, so dass man sich durchaus an ihr reiben kann. Das gleiche gilt für die "Bissigen Liberalen", die vielleicht zu Recht behaupten, ein breites Spektrum anbieten zu wollen, in letzter Zeit aber doch mehr zur sehr ähnlichen Polemik neigen. Lysis und Che2001 leisten sehr ähnliches für ein eher links orientiertes Publikum. Selbst, wer eher konservativ denkt, kann sich bei "CDU-Politik.de" gut geschriebene und durchdachte Kommentare durchlesen, die mir überhaupt nicht gefallen, aber dennoch in das Spektrum politischer Meinungen gehören, mit dem man reden und über die man nachdenken sollte.
Bei all diesen mehr oder weniger positiven Beispielen: Warum ist ausgerechnet Politically Incorrect (und hier ist ein Link wohl kaum nötig) das erfolgreichste politische Blog in Deutschland? Bitte nicht bestreiten, denn jede andere Statistik lebt leider vor allem davon, PI ausgeschaltet oder herausgeworfen zu haben. Woran liegt das? Daran, dass wir Deutschen wirklich alle strukturelle Nazis sind? Oder daran, dass gerade diese spezielle Minderheitsmeinung besonders auf die Blogosphäre zurück greift, weil sie wirklich keine Chance in den Massenmedien hat? Vielleicht an einer besonder geschickten Beitrag-/Kommentarpolitik, die hart am Rande des Gesetzes zu surfen bereit ist? Oder drückt er wirklich ein tieferes Bedürfnis der Menschen aus, über ein problematisches Thema auch mal (pseudo-)öffentlich frei reden zu dürfen?
Ich habe keine Erklärung, und stehe staunend vor diesem Phänomen. Antworten würde ich gerne hören, darum bitte ich auch meine wenigen Leser, diese Frage weiter zu tragen. Denn wenn Antwort #1 die Wahrheit wäre, müsste uns ja Angst und Bange werden. Es muss also eine Bessere Antwort geben.
Angeregt durch andersdenken20



@ Freiburger Thesen
Das ist doch überhaupt kein Rätsel. Spätestens seit dem 11. September wissen die Leute von der Gefahr die vom Islam ausgeht. Die gesamte Medienwelt versucht hier aber eine geschönte Wirklichkeit zu präsentieren, damit sich nur keine Konflikte verstärken. Es weiß aber eigentlich jeder Bescheid, daß dort ein gefährliche Konfliktpotential existiert. Also sind alle Nachrichten die diesen Themenkreis bedienen auch interessant, da aber die Presse das nicht abbildet ist man hier auf andere Medien angewiesen. PI bearbeitet dieses Feld. Und da ist es dem Leser auch völlig egal ob er mit der Redaktion oder den Meinungen von PI übereinstimmt. Die Leute lesen auch ansonsten Presseerzeugnisse und darin haufenweise Glossen und Kommentare mit denen sie nicht übereinstimmen.
Nun gibt es einen starken Druck auf PI das reicht von Sabotageakten bis über die Entmenschlichung wie in dem von dir empfohlenen Artikel, und geht dann bis zu Todesdrohungen und über das beliebte deutsche Rechtsmittel. Wer wundert sich da das sich viele Menschen nur noch trauen anonym zu schreiben.
Comment by Luclog — 21. 07. 2008 @ 10:30
@Luclog:
Wenn “die Presse das nicht abbildet”, warum stammt dann ein Großteil der Quellen, die PI zitiert, aus deutschen oder österreichischen MSM? Die “Leistung” der PI-ler besteht doch mehr darin, Nachrichten, die jeder lesen kann, zu bündeln, mit hetzerischen Websites und ausländischen Medien zu kombinieren (wenn man nur aus genug Ländern berichtet, kommt schon irgendwann genug zusammen) und dann eigene Kommentare dazu abzugeben, die am Rande der Legalität schweben. Du stellst es aber dar, als seien sie eine Art Untergrundmedium, das zensierte und von keinem Medium gebrachte Nachrichten ans Tageslicht fördert. Das ist doch Blödsinn.
Und was genau meinst Du mit “Entmenschlichung”? Vielleicht habe ich ja was übersehen, aber ich kann Deinen Eindruck nicht teilen.
Comment by Administrator — 21. 07. 2008 @ 11:53
Nein, das stimmt so nicht. PI sammelt bildet viele Quellen ab die in den normalen Nachrichten überhaupt nicht vorkommen. Was Du meinst sind die vielen Kommentare zu Artikeln und Vorgängen die auch einem auch aus anderen Quellen bekannt sind. Und wenn Du so willst ist PI ein Untergrundmedium, das charakterisiert eigentlich ziemlich gut die Stellung die PI hat. Und ich gehe auch davon aus, das PI über kurz oder lang irgendwie abgeschaltet werden wird. Denn der Druck der auf die Macher ausgeübt wird und an dem sich auch vordergründig libertär gesinnte Kreise beteiligen, wird irgendwann schon zum Erfolg führen. Ich wünsche allen weiterhin viel Spaß dabei. Letztlich spielen so alle das Spiel der extremen Linken mit. Mich wundert dabei nur das ihr euch wundert, daß die Linken überall den Diskurs bestimmen.
Comment by Luclog — 21. 07. 2008 @ 14:36
Am Anfang der hohen Klickraten von PI standen ein Treffen auf dem Nockherberg und Promotion durch Leute wie Broder, Miersch und Maxeiener, die das Kind erstmal bekannt gemacht haben. Dann scheint es so zu sein, das sich in Deutschland eine ganz neue Rechte formiert, die sich an die Partei Pia Skärsgaards in Dänemark und niederländische Rechtspopulisten wie van Gogh oder die Partij voor de Vrijheid anlehnen und einen Wohlstandsrassismus vertreten: Nicht mehr global ausländerfeindlich wie die offenen Neonazis, sondern gegen Migranten aus armen Ländern, zugleich auch gegen sozial schwache Deutsche, etwa HartzIV-Empfänger, sozialdarwinistisch und radikal für Sozialabbau, und mit dem Feindbild Islam, das ebenso konsequent vertreten wird wie von bisherigen Rechten das Feindbild der Juden. Diese Neue Rechte formiert sich gerade bevorzugt im Internet, und PI ist eines ihrer Vorzeigeobjekte. Vor einem Jahr waren die schon dabei, eine eigene partei zu gründen.
Comment by che201 — 21. 07. 2008 @ 16:13
Der Erfolg von PI liegt m.E. darin begründet, dass das Blog eine Anlaufstelle von - sagen wir mal: - “Meinungen” ist, die in der deutschen Öffentlichkeit keine Chance auf ungestörte Publizität hätten, aber zugleich eine Problematik beschreiben, mit der sich viele Menschen offensichtlich allein gelassen fühlen. Oder in der Politiksprache: Sie haben erfolgreich ein “Thema besetzt”.
Daran dürfte die allzu lange beliebte Praxis nicht ganz schuldlos sein, Probleme durch Ignorieren bzw. Beschimpfung der Absender beseitigen zu wollen und dadurch den Kameraden mit den einfachen Lösungen zu überlassen.
PI hat sich einiger dieser Probleme angenommen und mit dem Islam eine monokausale Ursache dafür gefunden - das gab ihnen ein Alleinstellungsmerkmal und distanzierte sie zugleich von der Neonazi-Szene, was durch die betonte Nähe zu den USA und Israel noch verstärkt wurde, so dass die üblichen Reflexe nicht mehr greifen konnten.
In letzter Zeit ist es ihnen allerdings wohl immer weniger gelungen, den Fokus “Islamkritik” aufrechtzuerhalten, und man ist mehr zu allgemeiner Abwehr gegen “andersartige” Ausländer (also an äußeren Merkmalen festmachbar) generell übergegangen, die wie selbstverständlich jetzt den ganz simplem Rassismus einschließt, den sie in den Kommentarspalten schon immer geduldet hatten.
Die Entwicklung von PI scheint mir vor allem einer ziemlich rücksichtslosen Gier nach Popularität zu verdanken zu sein, für die alle anderen Maßstäbe gerne über Bord geworfen werden. Das wirkt wie eine Droge. Das “Geschäftsmodell” sieht daher so aus, das Spektrum so lange immer mehr nach rechts auszudehnen, wie der nicht-ideologische Teil der Besucher nicht in Scharen wegläuft. Was mangels anders orientierter Alternativen so schnell nicht zu erwarten ist.
@Che
Soweit ich mich erinnern kann, war PI zum Zeitpunkt des Nockherberg-Treffens nur ein weiteres “pro-westliches” Blog unter vielen, das sich vor allem - daher auch der Name - der Abgrenzung gegen den “linken Mainstream” widmete. Das “islam bashing sells” ist denen erst aufgegangen, als die Klickraten nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in die Höhe schnellten.
Comment by Rayson — 22. 07. 2008 @ 14:17
Den genauen Zeitverlauf müsste ich jetzt nachrecherchieren, ich habe es jetzt anders im Kopf. Tragisch ist nur, dass der Zuwachs an Clickquoten bei PI mit einem Rückgang bei S&W einherging, dass also eines der meistgelesenen liberalen Blogs offenbar darunter zu leiden hatte, dass rechte Radaubrüder Zulauf bekamen. Ansonsten, Rayson, erscheint mir deine Darstellung recht schlüssig.
Comment by che201 — 22. 07. 2008 @ 14:58
Ich habe mich auch gegenüber Ramon Schack, der im Grunde mit mir einer Meinung ist, gegen Internetzensur und für die freie Meinungsäußerung ausgesprochen. Zudem bin ich der Ansicht, wenn man PI z.B. verbieten würde, käme irgendwas anderes, Derartiges, Vergleichbares. Die verschiedenen Gründe für die Erfolge wurden hier alle schon genannt.
PI wurde mit der Zeit immer schlechter und niveauloser, vor allem weil immer mehr ein Feindbild herausgearbeitet wurde, da besteht überhaupt kein Zweifel. Ich halte es grundsätzlich für wichtiger, sachliche Einwände und Kritik anzubringen als irgendjemanden zum Schweigen zu bringen. Zumal das auch technisch gesehen im Internet schwer machbar ist. Es sei denn, man ist für Internetzensur.
Comment by NUB — 22. 07. 2008 @ 18:11
@Luclog:
Quellen, die in den normalen Nachrichten nicht vorkommen? Schauen wir uns doch mal die Startseite an. Die Quellen sind:
- Trierischer Volksfreund
- Hagalil
- RTL 2
- WELT / Berliner Zeitung
- Frankfurter Allgemeine
- Ein recht unbekannter Meteorologe, der auch auf Ökologismus.de kommentiert
- Tagesanzeiger (CH)
- Hamburger Morgenpost
- keine angegebene Quelle, weil reine Polemik
- WELT
- Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover
- newsplanet (Blog), ursprünglich BBC
- Presseportal.de
- Hamburger Morgenpost
- WELT
- BILD/Presseportal.de
- Thema ist das Blog selbst, Ursprung der SPIEGEL
- Middle East Info
- Thema ist das Blog selbst, Ursprung der SPIEGEL
- stopislam.info
- FOX News
- Daily Mail
- BKA
- Der Standard
- Akte Islam, ursprünglich ZDF
So, und jetzt habe ich keine Lust mehr. Mehr oder weniger zufällig ausgewählt haben wir also folgende Quellen:
Springer: 4x
Lokalzeitungen im Internet: 1x
Fernsehen: 2x
SPIEGEL: 2x
Morgenpost: 2x
andere deutschsprachige MSM: 3x
ausländische MSM: 3x
sonstige Quellen und eigene Recherche (großzügig gesagt): 8x
Mehr als zwei Drittel der Beiträge, die ich hier angesehen habe, sind also lediglich Kommentare auf Berichte aus MSM, von den “eigenen Recherchen” ist das meiste für jeden halbwegs fähigen Internetnutzer, der sich für solche Themen interessiert, ebenfalls leicht zu erreichen. Nein, luclog, die Information ist es nicht, die die Leser zu PI zieht. Eher sind es die beißenden, hetzerischen Kommentare von Autoren und Kommentatoren.
Gut, ich finde es vielleicht auch gar nicht so schlimm, wenn die “Linken” den Diskurs bestimmen. Weil ich freiheitliches und linkes Denken nicht als Gegensatz, sondern als komplementär empfinde. Jedenfalls eher als freiheitliches und “politisch inkorrektes” Denken.
Trotzdem hoffe ich, dass PI nicht “abgeschaltet” oder durch Drohungen erledigt wird. Das ist nämlich eine viel zu einfache Lösung für ein offensichtlich schwärendes Problem.
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 20:08
@che201 (null verloren?):
Siehst Du das wirklich so, oder überschätzt Du PI und die Menschen, die da auch noch kommentieren, nicht etwas?
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 20:10
@Rayson:
Also meine Theorie #2, ja? Aber ist es denn wirklich so, dass das Thema selbst in den Massenmedien keine Rolle spielt? Ich denke, es wird wieder und wieder diskutiert. Nur nicht in der Form, wie es bei PI (und an real existierenden Stammtischen) akzeptabel ist.
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 20:12
@NUB:
Einerseits wird PI die Bildung des Feindbildes (wir gegen alle) ja im Augenblick durch die Attacken von allen Seiten erleichtert. Andererseits ist der Versuch mit sachlichen Einwänden und Kritik ja bei PI eher aussichtslos, oder?
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 20:14
Aussichtslos im Hinblick auf die Einsicht in die Fehler und Missstände. Dafür, dass Kritik einen Sinn hat, ist es aber selten nötig, dass der Kritisierte einsichtig ist, oder?
Comment by NUB — 22. 07. 2008 @ 20:21
Ich denke, es wird wieder und wieder diskutiert. Nur nicht in der Form, wie es bei PI (und an real existierenden Stammtischen) akzeptabel ist.
PI arbeitet an passenden und unpassenden Stellen den Islam als Motiv und Grund für Gewalttaten, Straftaten aller Art heraus, richtig verkehrt wird es, sobald es monokausal wird. Das wäre dann so, wie jeden formal zu einer Kirche gehörenden Bankräuber mit “Es hat wieder ein Christ zugeschlagen!” zu betiteln. An den Stellen, wo halt doch eine Rolle spielen könnte, dass die Täter muslimisch erzogen wurden, reitet PI darauf herum, was sich MSM im Regelfall nicht erlauben, weil damit Ressentiments geschürt werden. Was PI sich ja seit geraumer Zeit sehr ausdrücklich zum Ziel setzt. Alle übrigen, oft krampfhaften Versuche, hinter jedem Problem das Feindbild inkl. der Gutmenschen sehen zu müssen, sind nicht mehr wirklich ernst zu nehmen.
Comment by NUB — 22. 07. 2008 @ 20:26
@Admin
Mir scheint, die von PI besetzten Themen haben tatsächlich lange Zeit die Massenmedien nicht erreicht. Man darf in diesem Zusammenhang z.B. die Selbstverpflichtung nicht vergessen, bei Straftaten die Herkunft der Täter nicht zu nennen. Das mag man positiv oder negativ sehen, aber es gab eine Art herrschende Absicht wieder, die nach alternativen Ausdrucksformen wie PI für die Minderheit geradezu verlangt hat. Es galt z.B. als Konsens, die überproportionale Täterquote bei bestimmten Gruppen von Ausländern nicht zu thematisieren (wohl weil man dem gemeinen Volk die Erkenntnis komplexer Zusammenhänge meinte nicht zutrauen zu dürfen, oder weil man zu lange nur in Schwarz-Weiß-Kategorien gedacht hat), und damit hat man dann genau das, also die Thematisierung, anderen überlassen. Also auch einem Herrn Koch in seinem Wahlkampf.
In diese Lücke ist PI gestoßen. Hätte es schon vor zehn Jahren eine offene Diskussion über die soziale und wirtschaftliche Integration verschiedener Gruppen von Migranten gegeben, würde heute kein Hahn mehr nach PI krähen.
Inzwischen hat sich allerdings einiges getan, und PI darf jetzt auch die Blöd-Zeitung und andere Elemente des Boulevards als zumindest temporäre Verbündete betrachten. Was natürlich nicht zu einer Revision der Ausgangssituation führt, sondern zur Bestätigung und Ausdehnung der Ressentiments. Man muss, um sich vom “Mainstream” abzusetzen, immer radikalere Gesichtspunkte integrieren, sonst funktioniert das Modell nicht mehr.
Comment by Rayson — 22. 07. 2008 @ 22:16
@Rayson:
“Administrator” erscheint leider immer, so oft ich auch versuche, meinen Nicknamen als “Name” einzugeben. Das liegt vermutlich an dieser Wordpress-Software.
Aber nun zum Thema.
Wenn ich mich an die Berichterstattung der vergangenen Jahre zurückerinnere, dann muss ich Dir zustimmen. Tatsächlich hat sich in diesem Zeitraum die mediale Herangehensweise an das Thema “Integration” und “Ausländerkriminalität” geändert - aber nicht nur dort, in den Medien, sondern auch in Politik und Gesellschaft.
“Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer” (Roland Koch), solche Sprüche von führenden Politikern hat man noch vor wenigen Jahren nur von Rechtspopulisten gehört. Oder an den Stammtischen, von denen ich sprach (und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich besuche sogar mehrere Stammtische). Das fand ich damals gut, das finde ich auch heute noch gut.
Damit stellt sich die Frage, ob es damals übertrieben wurde, ob die “offene Diskussion über die soziale und wirtschaftliche Integration verschiedener Gruppen von Migranten” tatsächlich vollkommen ausgeblieben ist, oder ob sie nur nicht in der Heftigkeit geführt wurde, die nun Roland Koch und Leute wie die PI-Macher anschlagen. Hier neige ich dazu, Dir zuzustimmen. Wäre es frühzeitig von moderaterer Seite zu einer vorsichtigeren Thematisierung gekommen, so hätte man vielleicht nicht den Radikalen das Feld überlassen.
Und denen ist meiner Ansicht nach sehr viel Feld überlassen worden. Schon die Art und Weise, wie “Blöd” und andere Boulevardmedien heute mit dem Thema umgehen, finde ich erschreckend. Dass die Ausdehnung der Ressentiments, wie sie PI betreibt, immer noch massenhaft Anhänger findet, noch um so mehr.
Womit ich zu einer weiteren Frage komme, die mich fast schon wieder zu meinem ursprünglichen Artikel zurückführt: War diese Ansicht schon früher sehr verbreitet, wurde sie also tatsächlich von den großen Medien ignoriert bzw. totgeschwiegen, oder ist sie erst durch PI und Konsorten und den später erfolgten medialen Schwenk erzeugt/verstärkt/begünstigt worden?
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 23:01
@Siehst Du das wirklich so, oder überschätzt Du PI und die Menschen, die da auch noch kommentieren, nicht etwas?
Sähe ich das nicht so, würde ich es nicht schreiben. Wenn man zum Beispiel nachverfolgt, dass sich in Kreisen der Neuen Rechten (nicht der engen Neonazis, die sich ja selbst mit palästinensischen Gruppen ab und an gegen Israel verbrüdern) seit geraumer Zeit eine antiislamische Linie entwickelt, Leute wie der Herr Pipes, der bei den “Prowestlichen” mal hochangesagt war für die US-Army-Intelligence gearbeitet hat und Samuel Huntington mal auf der Gehaltsliste des Pentagon gestanden hat (ich würde “Clash of the Cultures” in diesem Zusammenhang als Auftragswerk bezeichnen) und das dann mit der Bedeutung, die Ayaan Hirsi Ali mal auf “prowestlichen” Blogs hatte abgleicht und dies wiederum auf PI, Pax Europa und Fakten&Fiktionen (Dieser “Kewil” ist, soweit mir bekannt, ein ehemaliger Stabsarzt, der im Kosovo Muslime zu hassen anfing) bezieht, dann kommt eigentlich ein recht schlüssiges Bild raus. Und das läuft darauf hinaus, dass eine wohlstandsrassistische europäische Rechte sich eng an US-Neocons anlehnt.
Comment by che2001 — 22. 07. 2008 @ 23:27
@che2001:
Allerdings haben die US-Neocons doch wohl abgewirtschaftet, wenn sich jetzt sogar die eigenen Hoffnungsträger von ihnen abwenden, wie Jens Berger meint. Und unter den rechtskonservativen Leuten, die ich kenne (und das sind eine ganze Menge, stehe ich doch mit meiner Meinung unter meinen Freunden und Bekannten oft allein) haben die USA und Israel keine allzu große Sympathie. Mit der neokonservativen “prowestlichen” Schiene hat man da keine Chance auf Wähler und Zustimmung, auch wenn die Leute Muslime nicht leiden können.
Wer sind denn die “Neuen Rechten” mit politischem Gewicht hier in Deutschland? Auf welche Strukturen bauen die? Wo finden sie ihre Wähler? Wo sind die ernsthaften ideologischen und strukturellen Linien? Ich habe diese Theorie schon öfter gehört (ich glaube, auch bei Euch auf Shifting Reality), aber da fehlt mir irgendwie die Substanz. Wäre aber nett, mal mehr darüber lesen zu dürfen.
Übrigens: Schläft Shifting Reality jetzt ein?
Comment by Administrator — 22. 07. 2008 @ 23:44
@Admin
(ich war auch mal bei Blogsome und bin mir eigentlich sicher, dass du da irgendwo unter “Profile” oder so den Namen einstellen kannst - in WP geht das auf jeden Fall)
Ein solcher Erfolg ist nur erklärbar, wenn er bereits Vorhandenes bedient. Ich hielte es für eine gewaltige Überschätzung von Blogs im allgemeinen und PI im speziellen, ihnen hier eine Gestaltungsmacht zuzusprechen. Es handelt sich einfach um eine Produktidee, die sich in Versuch und Irrtum einem vorhandenen Bedarf angenähert hat. Nun krieg die kleinen Kinder mal von der süßen und fetten Speise der rassistischen Ressentiments los und serviere gesunde, liberale Vollwertkost…
Um bei den Speisemetaphern zu bleiben: PI hatte auch ein wenig die Funktion eines Trüffelschweins für die “alten Medien”. Die könnte jetzt beendet sein. Eine “Blöd” springt nicht irgendwo auf den Zug auf, sondern die besetzt gleich die Lok. Dann ist es mit der Legende des sich tapfer gegen den “Mainstream” stemmenden Blogs auch vorbei.
Comment by Rayson — 23. 07. 2008 @ 12:27
Da stimme ich Rayson voll und ganz zu. Was Deine Antwort auf meinen letzten Kommentar angeht: nun, es gibt natürlich die großen neurechten Netzwerke, zu denen Leute wie Arthur Jensen, Murray und Herrnstein, Hans Eysenck, Alain de Benoist , Irenäus Eibl-Eibesfeld und der deutsche Neonati-Multifunktionär und Schriftführer des Grundbesitzervereins von Blankeneese Jürgen Rieger gehören, in der Vergangenheit wohl auch Detlev Promp, als er noch lebte Franz Josef Strauss, Lucio Gelli (P2) und NPD-Größen wie Hans Michael Fiedler und Odfried Hepp. Es geht diesen Leuten um die Erlangung von Diskurshegemonie,
http://www.redok.de/content/view/326/40/
nicht um inhaltliche Positionen im Einzelnen. Denen ist es egal, ob nun der Muslim, der Jude, der Neger oder der Kommunist nun das konkrete Feindbild ist, ja die Feindbilder werden bei Gelegenheit aus taktischen Gründen ausgetauscht. Entscheidend ist das antiegalitäre und sozialnativistische Menschenbild: Menschen werden über Kollektive definiert (weitrangig, ob die Kategorien hier “Rasse”, “Nation”, “Kultur” oder “Geschlecht” heißen), denen sie schicksalsmäßig angehören und über deren Grenzen sie nicht hinauswachsen können. Die Verankerung dieses sozialnativistischen Menschenbildes (z.B. “Ethnopluralismus”) in weiten Teilen der Gesellschaft und Publizistik ist ihnen durchaus gelungen, und in diesen Kontext würde ich PI durchaus einordnen. Aber nicht in dem sinne, dass die selber diesem Netzwerk angehören, dazu sind die viel zu minderbemittelt, sondern im Sinne einer möglicherweise sogar unbewusst übernommenen Agenda. Eine Einflussnahme des Studienzentrums Weikersheim, also der Scharnierstelle zwischen baden-württembergischer CDU und Rechtsradikalen auf PI halte ich ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Nur sollte man solche Berührungen eben auch nicht überbewerten. Ansonsten denke ich, dass PI und Kewil vor allem auch regional verortet sind. Die haben ihre Basis zum Einen in Baden-Württemberg und zum Anderen in Köln, also jeweils da, wo es relativ viele islamophobe Katholiken und ein rechtskatholische Millieu gibt.
Wenn ich davon spreche, dass es Leute innerhalb der Neuen Rechten gibt, die sich an dänischen und niederländischen Vorbildern wie auch an US-Neocons orientieren und in erster Linie wohlstandsrassistisch ausgerichtet sind, dann heißt das mitnichten, dass sie damit sonderlich erfolgreich wären. Ich warne also nicht vor der großen Verschwörung, sondern sehe das eher unter dem Aspekt der Sektenkunde
Comment by che2001 — 23. 07. 2008 @ 12:57
Shifting Reality hat sozusagen Sommerferien. Und es ist die Crux, dass dort letztendlich alles an 3 Leuten hängt. Fallen von denen 2 aus, ersetzt sie niemand.
Comment by che2001 — 23. 07. 2008 @ 15:12
Es gibt wohl tatsächlich inzwischen so etwas wie eine rechte Meinungshegemonie, die aber noch nicht in Parteien und Institutionen manifest geworden ist. So etwas braucht immer eine gewisse Zeitverzögerung. Die 68er kamen auch erst an die Macht, als ihre Bewegung eigentlich schon Geschichte war.
Comment by Sergej — 23. 07. 2008 @ 16:25
Sergej, Du triffst damit etwas ziemlich gut auf den Punkt. Meinungen wie bei PI, oder allgemeiner gesagt eine Mischung aus Abneigung gegen politische Korrektheit, Lust an der Provokation und paranoiden Bedrohungsängsten von wegen gefährdetem Abendland, Angst vor/Hass auf Feministinnen, Nichtbereitschaft, sich mit der inzwischen multikulturellen Verfasstheit dieser Gesellschaft auseinanderzusetzen, verbunden mit dumpf-rechten Ressentiments, aber ohne Verbindung zur traditionellen Rechten beobachte ich seit den frühen 90ern bei vielen Leuten, gerade auch Journalisten-Kollegen. Das hat da niemand so monokausal formuliert wie PI, aber sie drücken nur aus, was schon lange viele denken.
Comment by che2001 — 23. 07. 2008 @ 23:34
@Rayson:
Ah, Profile… “How to display name”. Jetzt hab’ ich es. Danke.
Natürlich könnte ich mir auch nicht vorstellen, dass ein Blog wie PI oder irgend ein anderes tatsächlich einen bedeutsamen Einfluss auf die öffentliche Meinung in Deutschland haben könnte. Eher hatte ich es mir so vorgestellt, dass PI und andere kleine Medien erfolgreich eine Minderheit aufgetrieben haben, die chauvinistische (Dank an Che für den Begriff “sozialnativistisch”) Ideen goutierte; der Erfolg dieser kleinen Medien fiel dann den großen auf. Und als der Boulevard aufsprang, hat sich zunächst herausgestellt, dass diese Minderheit so klein ist, das ist auch klar. Aber vergrößert sich die Zahl derer, die solche Meinungen teilen, nicht von Tag zu Tag, eben durch eine veränderte Form der Berichterstattung und des Kommentars?
@che2001:
“Sektenkunde”, das ist nett.
Andererseits las ich aus vergangenen Kommentaren von Dir und MomoRules aber durchaus auch mal eine ernsthafte Sorge vor dieser “Neuen Rechten” (oder “Neuen Neuen Rechten”, danke für den Link) heraus. Gerade bei den Diskussionen um die “Neoconnards”, die ich mal durchgeblättert habe, um zu verstehen, worum es damals eigentlich ging, kommt diese Sorge öfter zum Ausdruck.
Von dem kleinen Who is Who, das Du präsentierst, kannte ich einige Namen und habe einige andere nun recherchiert. Jeder Einzelne präsentiert tatsächlich Aspekte dessen, was Du und der redok-Autor da zusammenfassen; aber gibt es tatsächlich ein Netzwerk, das diese Leute verbindet? Das wäre ja die Voraussetzung dafür, dass diese Thesen und Theorien tatsächlich wirkmächtig würden.
@Sergej:
In einer anderen Diskussion drüben bei NUB lese ich gerade von jemandem, der sich über die “linke Meinungshegemonie” beklagt. Welche These stimmt jetzt? Stimmt keine von beiden (selektive Wahrnehmung)? Oder liegt vielleicht eine Begriffsverwirrung vor (”rinks und lechts”)?
Comment by freiburgerthesen — 24. 07. 2008 @ 10:04
@ Freiburgerthesen
Und was ist jetzt an der Liste der Artikel die Du angeführt hast so absonderlich? Politische Blogs bestehen nun mal hauptsächlich aus Kommentaren zum Zeitgeschehen und dazu werden dann oft Berichte aus den Massenmedien zitiert.
Für den Leser sind doch die Blogs interessant die Nachrichten bieten die einem ansonsten entgehen würden. Genauso funktioniert auch die AdG, und da freue ich mich darüber das bestimmte Artikel bspw. von Cora Stephan nochmals erscheinen die mir ansonsten bei der DW wahrscheinlich entgangen wären.
@ Alle
Die Einorndnung von PI oder Kewil geht wahrscheinlich deshalb dermassen fehl weil der christliche Hintergrund ausgeblendet wird. Genauso wie alle politischen Debatten unserer Zeit immer das Phänomen Religion einfach unterschätzen.
Comment by Luclog — 24. 07. 2008 @ 14:25
@Freiburger Thesen, ja, es gibt dieses Netzwerk, Jensen, Eysenck, Murray, Herrnstein, Rieger usw. arbeiten gut zusammen, in den 80ern auch die oben genannten Neonazis, die Loge P2 und FJS. Zur Quellenlage kannst Du mich mal anmailen.
Grundsätzlich interessant: Stefan Kühl, die Internationale der Rassisten.
Franziska Hundeseder, Wotans Jünger
dies. Rechte machen Kasse
Jürgen Roth, Bernd Ender, Dunkelmänner der Macht
Comment by che2001 — 24. 07. 2008 @ 14:57
luclog
Die Einorndnung von PI oder Kewil geht wahrscheinlich deshalb dermassen fehl weil der christliche Hintergrund ausgeblendet wird
Wieso, einer hat doch was über Sekte geschrieben!?
Spaß beiseite, PI ist auch nicht repräsentativ für eine christliche Sicht der Dinge. Eine christliche Sicht nahe PI wäre z.B. den Versuch zu unternehmen, “fehlgeleitete” Moslems auf den guten Weg des Christentums zu führen, also zu missionieren. Nicht, sie loszuwerden, indem man sie aus dem Land wirft oder anderweitig gegen sie aktiv wird. Es ist ja schon denkunmöglich, dass PI irgendeinen Moslem ansprechen oder ins Nachdenken bringen könnte, ob seine Überzeugungen alle so richtig sein können. Wenn jemand sagen wir eine islamistische Seite betreiben würde, auf der das Feindbild Christ gepflegt wird, könnten sich davon ja auch keine Christen angesprochen fühlen. Insofern ist PI nicht christlich in dem Sinne.
Comment by NUB — 24. 07. 2008 @ 16:44
Die Einordnung von Kewil hängt im Übrigen damit zusammen, dass ein Stabsarzt im Kosovo einen persönlichen Hass auf Muslime entwickelt hat.
Comment by che2001 — 24. 07. 2008 @ 22:28
Vielleicht wird es ja offensichtlicher wenn ich ein paar Beispiele für das gebe was mittlerweile scheinbar allgemein als Rechtsradikal gilt (Grob alles was gerade auf einen Schlag auf der ersten Seite war):
Israel-Solidarität in Linkspartei unerwünscht
Daraus: Ähnlichkeiten der Positionen von Rechts- und Linksradikalen sind nicht zufällig. Alle Antidemokraten, ob links, rechts oder islamisch, ziehen an einem Strang
Obama schlägt Jesus
Daraus: Mit abgehalfterten Rezepten aus den 70ern, die an die Grundlagen erinnern, mit denen der europäische Sozialismus gescheitert ist, hat er auf sich aufmerksam gemacht. Steuererhöhungen, staatliche Bevormundung, Umverteilung.
Schwulen-Ehrenmord in der Türkei
Daraus: “Ich kenne das türkische System. Ich habe keinerlei Rechte. Menschenrechte sind lediglich im Westen bekannt und akzeptiert – in der Türkei sind diese nicht verfügbar.
Huch - ein rechtskadikaler Moslem?
Daraus: Schreckensbleich stellte man jetzt fest, dass der Dialogpartner Abdallah M. ein Bewunderer des Hitler-Stellvertreters Heß ist
Todenhöfer: Bush schlimmer als bin Laden
Daraus: In Afghanistan unter den Taliban behandelte man Frauen wie Dreck.
Veranstaltung “Mörder sind keine Helden”
Daraus: Dabei wurde einerseits der nationalen Trauer Israels zu den beiden toten israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser gedacht, als auch dem Protest gegenüber dem Israel-feindlichen und Terror verherrlichenden Verhalten der arabischen Welt Ausdruck verliehen.
Usw, dann manchmal auch Klimawandel oder EU oder was sonst so allgemein auf der politischen Tagesordnung steht oder gerade auch woanders die Schlagzeilen füllt.
Da ist nichts Rechtsradikales, auch wenn ich die eher christlich konservative Grundhaltung des Blogs nicht teile. Ich denke, wenn einem das schon wie die Wiedergeburt der NSDAP erscheint, sollte man vielleicht doch mal ein paar Beruhigungspillen nehmen.
Comment by Luclog — 24. 07. 2008 @ 22:29
GUt, dann drösele ich mal das genauso einfach auf und spnne den Faden einmal weiter.
“Israel-Solidarität in Linkspartei unerwünscht
Daraus: Ähnlichkeiten der Positionen von Rechts- und Linksradikalen sind nicht zufällig. Alle Antidemokraten, ob links, rechts oder islamisch, ziehen an einem Strang”
—- radikale Linke (die Linkspartei ist aus meiner sicht eine linkssozialdemokratische Partei und gehört sozial und kuluturell nicht zu dem, was in Westdeutschland “Die linke Szene” genannt wird) verhalten sich zu Israel entweder sehr distanziert in dem Sinne”da dürfen wir als Deutsche gar nichts zu sagen”, oder sie vertrete einen antizionistischen Antiimperialismus, der Israerl und die USA als politische Feinde und die Palästinenser als Verbündete sieht - aber nicht die islamistischen Palästinensergruppen, sondern die marxistische palästinensische Linke, die sich mit Hamas mal bekriegt, mal taktische Bündnisse eingeht. Die dritte Fraktion der radikalen Linken ist antideutsch und begeistert sich für israelische Militäraktionen. allen drei linksradikalen Strömungen ist gemein, dass sie Neonazis immer bekämpfen, völlig egal, was diese für ein Verhältnis zum Palästina-Konflikt haben.
Obama: Abgehaltert sind vor allem die Rezepte der Neoliberalen, die die US-Ökonomie an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Dass jemand, der eine Abkehr von diesem Kurs will und dies mit der Rhetorik der 60er (Kennedy) tut, bei den Massen zunächst WErfolg hat, kann bei der Stimmung gerade der “kleien Leute” in den USA niemanden verwundern.
Türkische Islamisten finden sich in den Deutschland weit mehr als in der Türkei, weil die türkische Justiz ihnen dort schneller auf die Finger klopft. Die reaktionärsten Elemente der türkischen Gesellschaft nutzen bestimmte Migtrationsnetzwerke, um im Exil ihre Vorstellungen von “Kalifatsstaat” u.ä. auslebenm zu können. Das ist eher ein Problem der türkischen Community in Deutschland als der Türkei. Pogrome in der Türkei gegen christliche Minderheiten wie im Tur Abdin oder gegen christilche Missionare stehen damit nicht in Zusammenhang, sondern sind ebenso wie das Kurdistan-Problem Teil eines ungelösten Konflikts, der etwas mit der Geschichte der Türkei, regionalen Rassismen, Öl- und Wasserinteressen usw. zu tun hat, aber weder mit dem Islam noch mit den Türken als Solchen.
Was PI macht, ist, anhand realer, aber verschieden interpreierbarer Ereignisse eine vorgebene Matrix aufzugreifen, um allgemeine Vorurteile, wie sie in konservativen oder wirtschaftsliberalen Kreisen virulent sind, auszufüllen, zuzuspitzen, auf die politische Realität anzuwenden und diese dann zu einem Zerrbild zu verbiegen. Das ist die originäre Startegie der Neuen Rechten, nichts Anderes. Der Jude wurde gegen den Muslim ausgetauscht und ist jetzt selber der Gute. Das Allerdings braucht niemanden zu verwundern, der Micharl Kühnens Äußerungen von 1988 kennt, als dieser sagte, der Krieg gegen die Juden habe 1945 geeendet, heute seien die Ausländer in Deutschland der Feind.
Comment by che2001 — 25. 07. 2008 @ 16:23
@freiburgerthesen
Ich schätze: nein. Meinungen werden nicht so leicht gebildet, das ist ein ziemlich komplexer Prozess, an dem Blogs zwar beteiligt sein können, in dem sie aber eine minimale Rolle spielen. Viel ausschlaggebender sind die berühmt-berüchtigten “Peers”, die zwar ihrerseits wieder beeinflusst werden, aber auch den Impact von kuriosen Informationsquellen, zu denen man Blogs ehrlicherweise zählen muss, gering halten. Der von PI beklagte “Mainstream” ist in Wirklichkeit die Haltung ihrer unmittelbaren Umgebung.
@Che
In “wirtschaftsliberalen Kreisen”? Tatsächlich? Wo und wer? Nee, ehrlich, ab und zu ist es besser, dem Affen keinen Zucker zu geben…
Comment by Rayson — 25. 07. 2008 @ 21:36
@Rayson: Z.B. Bei Jungliberlalen aus dem verbindungsnahen Spektrum, durchaus.
Comment by che2001 — 25. 07. 2008 @ 21:49
Und zum Mainstream: Wir können uns wohl sehr einig sein, dass das, was PI &CO als Solchen betrachten, weder der gesellschaftliche Mainstream ist noch etwas, was Du oder ich persönlich als Normalität erleben. Also in dem Punkt haste Recht.
Comment by che2001 — 25. 07. 2008 @ 22:14
@Rayson:
Mit der “veränderten Form der Berichterstattung” meinte ich nun wirklich nicht mehr Blogs, sondern die MSM, vor allem aber den Boulevard und die sogenannten “Nachrichten” auf manchen Sendern (über die ich mich immer mal wieder ärgern möchte und deshalb einschalte). Also: Haben diese nicht auch eine Wirkung auf die “Peers”? Allein schon deshalb, weil sie die Themen setzen, die dann diskutiert werden (wenn auch nicht die Perspektive auf diese).
@Che/Rayson:
Wie ich schon einmal zu Beginn meiner Bloggerei sagte, meide ich den Begriff “neoliberal” wie die Pest, weil ich ihn für sinnlos halte. Auch den Begriff “wirtschaftsliberal” finde ich nicht so toll, weil er andeuten würde, dass für diese “Wirtschaftsliberalen” andere Aspekte des Liberalismus völlig egal wären - was sie nicht sind. Ich mag den Begriff “Marktradikal”, weil er beschreibt, was ich kritisiere (und was vielleicht auch Che kritisiert): Eine völlig ökonomisierte Weltsicht, die meint, alles und jedes in “Märkten” beschreiben zu können - und Deutungen und Prioritäten jenseits eines Marktgeschehens völlig ablehnt.
Wobei ich Märkten und ihrer Wirkung und Betrachtung vermutlich deutlich positiver gegenüberstehe als Che. In vielen (wenn auch nicht allen) Bereichen halte ich nämlich marktorientierte Sichtweisen für sinnvoll.
Comment by freiburgerthesen — 25. 07. 2008 @ 22:30
@Luclog:
Ich hatte behauptet, dass der Großteil der Quellen von PI aus MSM stammt. Du antwortetest, dass das so nicht stimmt, und hattest vorher gesagt, dass die MSM diese Artikel nicht bringen.
Ein “Untergrundmedium” müsste für mich durch eigene Recherchen etwas zensiertes nach oben bringen, nicht etwa nur sonst auch zugängliche Informationen bündeln und dann in extremer Weise kombinieren und kommentieren.
Und was die “christliche Sicht” angeht: Die Art von christlicher Sicht, die PI und Kewil präsentieren, ist nicht die, die mir als modern-christlich von informierter Seite vermittelt wird. Mich sieht kaum eine Kirche jemals von innen, aber diejenigen, die es tun, scheinen mir nicht die Absicht zu haben, ununterbrochen gegen Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften zu agitieren, sie zu beleidigen und als Wurzel allen Übels darzustellen.
“Wiedergeburt der NSDAP”? Quatsch. Aber Du willst ja auch in einer anderen Diskussion die Tatsache nicht akzeptieren, dass ich einen Unterschied zwischen Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus mache (wie der Verfassungsschutz übrigens auch). Die einen finde ich unangenehm, aber diskutiere mit ihnen, wenn sie mich lassen (PI zum Beispiel), gegen die anderen würde ich auch agitieren. Und habe Angst vor ihnen. Vor PI habe ich allein deswegen keine Angst, weil sie mich ja nicht attackieren - und ganz ehrlich nicht glaube, sie würden das wollen. Sie wollen vermutlich wirklich nur stänkern - und Klicks mitnehmen.
Comment by freiburgerthesen — 25. 07. 2008 @ 22:41
@che2001:
Danke, ich werde mal gucken, was ich davon lesen kann (die Zeit, die Zeit!)
Comment by freiburgerthesen — 25. 07. 2008 @ 22:47
@Che
“Verbindungsnahes Spektrum” und “Jungliberale” sind mir über das persönlich Erlebte (also z.B. in Form von Mitbloggern) hinaus fremd. Und ich wage auch die Behauptung, dass, jenseits der Fragwürdigkeit des Begriffs an sich, diese Bezeichnung auf den fraglichen Personenkreis nicht wirklich zutreffen würde.
@freiburgerthesen
Merci. Das ist ein wichtiger Punkt.
Da hätte ich dann aber manches einzuwenden. Es ist ja nicht so, dass Liberale wie meinereiner Märkte völlig grundlos als bevorzugte Interaktionsform empfinden, und dass wir uns hier auch keiner Debatte stellen würden. Natürlich lehne ich Meinungen ab, die ich für unzureichend halte, aber das ist nicht eine Frage der Ausrichtung, sondern eine der Güte. Ich wurde nicht als Liberaler geboren und erwarte daher schon noch Argumente von mindestens der Güte, die mich zu einem solchen gemacht haben.
Comment by Rayson — 25. 07. 2008 @ 23:44
@freiburgerthesen
Eins noch, falls das offen geblieben sein sollte:
Ja, die MSM haben eine solche Wirkung. PI gehört nicht dazu, die “Blöd” jedoch schon.
Comment by Rayson — 25. 07. 2008 @ 23:46
@Rayson:
Du bist - soweit ich Dich beurteilen kann - nicht das Musterbeispiel eines Marktradikalen. Sondern mehr jemand, der oft marktradikal argumentiert und nur sehr schwer von einer anderen Position zu überzeugen ist. Es ist wohl schon geschehen, aber Du machst es einem nicht leicht.
Weil Du dabei aber kaum verbohrt und aggressiv wirst, freut es mich sehr, dass Du dich entschieden hast, hier zu kommentieren. Und es würde mich auch sehr freuen, wenn ich bei Euch nicht erst durch eine Moderation müsste…
Comment by freiburgerthesen — 26. 07. 2008 @ 0:03
@freiburgerthesen
Wenn du bei uns in der Moderation landest, hat das zumindest von uns aus nichts mit dir zu tun. Akismet ist manchmal sehr rigoros, worunter auch wir zu “leiden” haben, und manches andere reagiert eben leider auch. Es gibt bei uns aber keinen “freiburgerthesen”-Filter
Comment by Rayson — 26. 07. 2008 @ 0:07
Ich denke daß PI und Kewil genau wie Che oder mein Parteibuch oder wer auch sonst immer einfach nur einen Teil des Meinugsspktrums abbilden. Das sollte, wenn man Meinungsfreiheit ernst nimmt, auch legitim sein. Und bez. der Kommentarsektion schreiben bei Welt-Online genau so viele Bekloppte, das liegt wohl an der Anonymität. Kann man nix dran machen. Ich finde zu stark moderierte Kommentarsektionen bei Blogs wie bei Online-MSM idR langweilig.
Comment by Eloman — 27. 07. 2008 @ 19:49
@ Freiburgerthesen
Ich hatte behauptet, dass der Großteil der Quellen von PI aus MSM stammt. Du antwortetest, dass das so nicht stimmt, und hattest vorher gesagt, dass die MSM diese Artikel nicht bringen.
Es liegt wohl an meiner Formulierung: PI bildet viele Quellen ab die in den normalen Medien überhaupt nicht vorkommen.
Das Problem liegt hier für mich zuallererst in der Definition, was als übliche und normale Quellen angesehen wird. Wahrscheinlich sind Hagali und die ADG für Dich schon übliche und normale Quellen. Für den Otto Normal Internetnutzer ist alles abseits von Spiegel, Spiegel, Spiegel, Spiegel, schon extrem tief im Dschungel des Internets versteckt.
Und andererseits willst Du die Artikel nicht sehen die auf Eigenleistungen und Gastbeiträgen beruhen.
Der Hauptteil aller Beiträge wird natürlich immer von Verlinkungen begleitet. Aber das ist bei allen Blogs so. Blogs müssen immer irgendwelche Links anbieten, weil oft der zugrunde liegende Sachverhalt dargestellt werden muss. Der eigentlich Beitrag eines Blogs ist dann meist ein meinungshaltiger Kommentar. Das ist bei Zeitungen und Zeitschriften eigentlich auch nicht anders, nur schwerer nachvollziehbar. Dort schreibt man dann als Quelle das Kürzel der Nachrichtenagentur hin. Man kommt dann aber nicht auf die Idee, allen Publikationen vorzuwerfen, das ihre Artikel keine Eigenleistung beinhalten, weil man ja die eigentlichen Sachverhalte schon den Nachrichtentickern entnehmen kann.
Richtig ist vielmehr: die meisten Nachrichten die bei PI-auftauchen, tauchen z.B. bei den Top-Ten des Google-Nachrichtentickers der einen guten Überblick liefert, meist gar nicht auf. Viele Beiträge und Artikel basieren dann zusätzlich auf Eigenleistungen und kümmern sich um Themenfelder die anderswo zwar auch vorkommen können, aber oft völlig gegensätzlich betrachtet und kommentiert werden. Dazu kommt dann noch Internet-Recherche, persönliche Berichte und Kommentare, und Gastkommentare von Fachautoren oder aus Quellen die vielen die weniger umtriebig sind völlig unbekannt sein dürften.
Top-Nachrichten wie der Obama-Besuch sind aber bei PI, genauso Thema wie bei allen anderen Blogs, und Medien auch.
Wenn man allen Blogs die auf einen Obama Artikel in einer Zeitung verlinken um dann einen eigenen Kommentar zu verfassen, grundsätzlich eine sinnvolle Eigenleistung abspricht, geht das zu weit. Und wenn sich die Mischung ansieht, dann ist dort natürlich mehr Eigenleistung und auch mehr Nachrichtenwert enthalten als bei einer Vielzahl von anderen Blogs.
Der Vorwurf von Dir das die Leistung von PI nun nur daraus besteht, etwas zur Hetze zu bündeln, ist also etwas völlig Anderes. Dir passt in erster Linie die dort vertretene Meinung nicht, und dann ist es halt einfach etwas was man bei anderen Blogs als völlig normal ansieht, in diesem Fall zu einer Nichtleistung zu erklären. Ein Blog bietet: Thematische Zentrierung und meinungshaltige Beiträge. Dabei sammelt ein guter Blog, Nachrichten die jeder lesen kann, bündelt sie, verknüpft sie mit anderen thematisch zentrierten Blogs, findet passende Quellen im In- und Ausland, und gibt dazu scharfe Kommentare ab.
Die “Leistung” der PI-ler besteht doch mehr darin, Nachrichten, die jeder lesen kann, zu bündeln, mit hetzerischen Websites und ausländischen Medien zu kombinieren (wenn man nur aus genug Ländern berichtet, kommt schon irgendwann genug zusammen) und dann eigene Kommentare dazu abzugeben, die am Rande der Legalität schweben.
Wenn ein Blog gut ist, hat es dabei den richtigen Riecher und besetzt frühzeitig ein Themenfeld das viele interessiert. Und hier kommt dann der Neidfaktor ins Spiel und das Problem, daß die eigene politische und gesellschaftliche Wahrnehmung immer völlig überschätzt wird. Man hält oft die eigene Meinung sogar für alternativlos, denn ansonsten hätte man selber ja diese bestimmte eigene Meinung nicht. Und politische Blogger sind da zusätzlich noch Überzeugungstäter, sie wollen ihre spezifische Ansicht verbreiten und durchsetzen. Und da ist es dann leicht auszugrenzen und andere über die Ausgrenzung bestimmter Ansichten wieder gegen andere zu formieren. Letztlich ergibt sich aber eigentlich immer genau das Bild wie es die Gesellschaft auch im Kern repräsentiert. Und wenn ein Blog mit einem bestimmten Thema eine sehr großen Erfolg hat, und dieses Thema ansonsten in den Massenpublikationen nur sehr marginal vorkommt, ist das kein Zeichen dafür, daß die Gesellschaft nach rechts marschiert oder das sich die Linken Horden sammeln, sondern ganz einfach dafür, daß bestimmte Problemthemen mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt sind, und dort ein allgemeiner Gesprächsbedarf besteht.
Und so ist es auch, und das wissen wir alle seit dem 11. September, es gibt eine große gesellschaftliche Unsicherheit und die hängt stark mit dem Thema Religion zusammen. Und Religion ist immer eine stärker Kraft als jede nur politische Idee (Von realpolitischen Ideen mal ganz abgesehen). Der Faschismus war soetwas und hat genau das angezapft, eine politische Religion, ein Lebensinn der über das Individuum hinausreicht, und das bieten eigentlich alle Ideologien. Wenn die großen Themen auf die Weltbühne treten, werden die kleinen Gruppen und individuellen Themen an den Rand gedrängt. Und alles weist daraufhin, daß die Konflikte die ihr hier gerne wegidiologisieren wollt, in Zukunft noch bestimmender werden.
Comment by Luclog — 29. 07. 2008 @ 14:23
@ Elomann
Der Verweis auf den Wirrsinn der sich in allen größeren Kommentarsektionen sammelt ist natürlich auch wichtig. Es ist sogar eigentlich völlig offensichtlich. Auch in allen Foren sieht es ähnlich schlimm aus. Nur kann man da auch sehr gut erkennen das die Radikalität von Links eigentlich immer die Masse stellt.
Comment by Luclog — 29. 07. 2008 @ 14:34