14. 07. 2008

Manöverkritik III: Anne Will, 13. Juli 2008

Abgelegt als: Medien, Energie - freiburgerthesen @ 12:13

Eine Sendung, die zunächst von sehr hoher Qualität zu sein schien, degenerierte schlagartig und endete im völligen Chaos.

Moderatorin:

Anne Will: "Anne will - aber sie kann’s nicht" ist kein origineller Spruch mehr, sondern mehr ein geflügeltes Wort - richtig bleibt es aber dennoch. Nach zwanzig Minuten wollte ich sie noch loben, bis dahin kamen von ihr mehrere gelungene Fragen, sie hat ihre Gäste tatsächlich moderiert, anstatt ihnen nur hilflos zuzuhören. Doch dann glitt ihr einmal mehr das Gespräch aus den Händen. Und wenn eine Moderatorin von ihren Gästen unterbrochen und übertönt wird, kann man das nur völliges Versagen nennen. Auch der Regie. (5-)

Gäste:

Christian Wulff: Ruhig und sachlich, aber oft zu sehr an Schlagworten verhaftet. "Dargestellt" etwa passt als Verb nicht in jeden Satz; vielleicht noch zum Haushalt, sicherlich aber nicht zum Bau von Kraftwerken. Weiß sein telegenes Aussehen, sein Lächeln und seinen recht guten Ruf effizient zu nutzen. Für die eigene Klientel überragend, für Schwankende einigermaßen überzeugend. (2+)

Hubertus Heil: Wie immer sehr geeignet als Schlafmittel. Drückt sehr stark den Mangel an Entschlossenheit und Kampfgeist aus, der die SPD mittlerweile quält, ist andererseits aber von TV-Wirkung und Rhetorik her Christian Wulff deutlich unterlegen. Als "wandelnde Sprechblase" sagt er zu oft die gleichen, schon oft gehörten Dinge. (4+)

Jutta Ditfurth: Wirkte wie eine wild gewordene Furie, die jegliche Höflichkeit an der Tür abgegeben hat. Herbe Angriffe und Verschwörungstheorien kombinierten sich zu einem Auftritt, der nur für völlig Überzeugte oder die Klientel, die ohnehin solche Sendungen selten sieht (die "Die da oben"-Fraktion) Wirkung gezeigt haben dürfte. Für Unentschlossene, erst recht für jemanden, der anderer Meinung ist, hat sie alle Sympathien verspielt. (5)

Rolf Martin Schmitz: Vermied die "Unternehmer-Falle", indem er seine gesellschaftliche Funktion und Position nicht so deutlich nach außen kehrte, wie viele Manager das in Talkshows tun. Mit einem freundlichen Lächeln und gelegentlichen emotionalen Appellen gelang es ihm sicherlich, auch Unentschlossene anzusprechen. Ist aber im TV etwas zu blass. (2-)

Peter Escher: Als Journalist und Moderator war Escher in solch einem Format auf heimatlichem Terrain. Konnte sehr geschickt Sympathien erwerben, vermied kritische Positionierung - hatte dadurch inhaltlich wenig zu bieten, aber dennoch einen starken Auftritt, der ihm persönlich sicherlich Aufmerksamkeit und berufliche Vorteile verschaffen konnte. (1-)

Edit: Eine andere Meinung zur Sendung beim Querblog.

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