Mal etwas Konkretes
Was an den politischen Diskussionen über die Energiepolitik augenblicklich doch sehr nervt, ist ihre rein glaubensorientierte Ausrichtung. Über Zahlen, über die konkrete Ausgestaltung der jeweiligen Vorstellungen wird kaum diskutiert; stets wird nur darauf gepocht, dass entweder "die Kernenergie unersetzlich" sei (was vor allem daran liegt, dass es um den Atomkonsens geht - weniger um eine Orientierung in der gesamten Energiepolitik) oder aber "wir jetzt schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umsteigen müssen" (ohne aber zu sagen, welche Energiemengen wirklich von welchen Quellen kommen sollen). Am schönsten sind die Diskutanten, die schlicht bestreiten, dass der Energiebedarf ansteigen, zumindest aber gleich bleiben wird, und verlangen, wir mögen "alles über Energieeffizienz regeln" (was ein schöner Wunschtraum ist, der sich zumal in einem freiheitlichen System kaum schnell realisieren lassen wird).
Wenn wir über diese religiösen Konflikte hinausblicken, sieht man gähnende Leere. Weder die Union noch die SPD, die FDP oder die Grünen (oder gar die Linkspartei) haben die Öffentlichkeit bisher mit einem Papier erfreut, in dem konkrete Energiebedarfsschätzungen z. B. für das Jahr 2025 mit einer Erzeugungsstatistik kombiniert sind. Das wären Informationen, mit denen man sich als Bürger beschäftigen kann und nach denen man beispielsweise seine Wahlentscheidung ausrichten könnte - anstatt nach religiösen Trennlinien.
Ganz anders ein Professor aus Cambridge: Wie Telepolis berichtet, hat David J.C. MacKay, Doktor der Informatik und Professor für Naturphilosophie im Fachbereich Physik an der Universität Cambridge, ein Buch in Arbeit, das verschiedene konkrete und durchgerechnete Szenarien für die zukünftige Energieversorgung anbietet. Da es sehr unterschiedliche Szenarien sind, dürfte wohl für jeden etwas dabei sein; wenn man solche Konzepte auf dem Tisch hat, hat eine Diskussion auch wirklich einen Sinn.
Vorher nicht.


