Scheinargument
Die TAZ hat eine Liste mit Argumenten für Atomkraftgegner zusammengestellt (Dank an Chat Atkins), die die Oberhand behalten wollen, obwohl ihnen der Wind ins Gesicht bläst. Dort findet sich offensichtlich Vernünftiges (wie der Verweis auf die ungeklärte Endlagerung und die dubiosen Haftungsregeln) neben Origninellem und Bedenkenswertem (wie der Hinweis auf die Notwendigkeit eines Umdenkens bei der Grundlastfrage) und haarsträubenden Scheinargumenten. Letzteres findet sich vor allem da, wo die Nützlichkeit der Atomkraftwerke bei der CO2-Vermeidung bestritten wird. Zitat:
Die Stromerzeugung durch Atomkraft senkt den CO2-Ausstoß in Deutschland überhaupt nicht - vorausgesetzt, der Emissionshandel funktioniert. Denn Deutschland hat im Rahmen des Kioto-Protokolls ein bestimmtes Kontingent an CO2, das es in den kommenden Jahren ausstoßen darf. Unabhängig von den Atomkraftwerken. Und dieses Limit wird zwangsläufig eingehalten, sofern der Handel nicht unterlaufen wird.
Weil in Deutschland Diebstahl verboten ist, wird hier ja auch nicht geklaut. Deswegen brauchen wir auch keine Polizei, denn was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Das gleiche Argument könnte man gegen die Förderung erneuerbarer Energien in Stellung bringen: Diese brauchen wir selbstverständlich nicht zu fördern, denn auch ohne sie werden wir die Klimaziele erreichen. Immerhin steht das ja im Kyoto-Protokoll.
Auch, wenn alle anderen Argumente mehr gegen als für die Atomkraft sprechen: Der gleichzeitige Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung ist unmöglich, wenn wir gleichzeitig unseren Lebensstandard halten oder gar verbessern wollen. Und von einer Verschlechterung des Lebensstandards, von großen Opfern, sprechen die Grünen nicht. Sollten sie aber, denn das wäre ehrlich.


