08. 07. 2008

Es funktioniert doch

Abgelegt als: Gesetze, Kriminalität - freiburgerthesen @ 15:05

Mit dem Ergebnis des Prozesses gegen die beiden U-Bahn-Schläger von München kann man eigentlich nur zufrieden sein. Zwar konnte der Anwalt von Spyridon L. zahlreiche Beispiele für Gerichtsurteile bringen, in denen ähnliche Attacken nur als gefährliche Körperverletzung angesehen wurden - aber diese sind wohl oft zu milde und unangemessen gewesen. Tritte nach dem Kopf eines auf dem Boden liegenden Opfers können durchaus tödlich sein, darüber müssen sich die Schläger bewusst gewesen sein. Also handelte es sich (durch bedingten Vorsatz) um versuchten Mord.

Dass das Gericht mit 12 bzw. 8,5 Jahren noch ein gutes Stück unter der jeweiligen Höchststrafe geblieben ist, scheint ebenfalls angemessen, da sich lediglich ein solch bedingter Vorsatz beweisen lässt und es auch in den Bereichen der Grausamkeit oder besonderen Mordmerkmale noch "Raum nach oben" gibt. Und die Abschiebung nach der Strafe ist auch schon so gut wie geklärt. Alles in allem: Die Justiz hat funktioniert, den Tätern wird eine angemessene Strafe zuteil. Einen Anlass dafür, schon wieder über härtere Strafen zu diskutieren.

Manöverkritik I: Anne Will, 6. Juli 2008

Abgelegt als: Parteien, Personen, Medien - freiburgerthesen @ 10:47

Da ich ein sehr regelmäßiger Zuschauer von Politikrunden im Fernsehen bin, und mich selbst zu konsequenterem Bloggen anhalten möchte, beginne ich eine kleine Serie. In dieser will ich nach solchen Diskussionsrunden eine kleine Bewertung der Teilnehmer abgeben - weniger inhaltlich als formell, d. h. nach der Frage, wie gut sie sich verkauft haben.

Heute zu Anne Will vom 6. Juli:

Moderatorin:

Anne Will. Gewohnt schwach, hat ihre Gäste nicht unter Kontrolle, lässt zuviele Diskussionen zu, reagiert gereizt, wenn sie mal selbst angegangen wird. (5)

Gäste:

Jörg Schönbohm: Kam vermutlich gerade von einem Sommerfest, wirkte jedenfalls nicht mehr ganz nüchtern. Fahrige Sätze, leichtes Nuscheln, gesteigerte Aggressivität; das ist man von dem sonst sehr selbstbeherrschten Mann nicht gewohnt. Hackte auf seinen Lieblingsthemen herum, sonst schwach. (4)

Dagmar Enkelmann: Wehrte recht gut die Angriffe der Diskussionsgegner ab, wiederholte sich allerdings oft und brachte sehr wenig überraschendes. Rhetorische Qualität und Humor befriedigend. (3+)

Monika Maron: Wirkte eher ahnungslos und hilflos, kann nicht auf den Punkt formulieren. Eher ein ungeeigneter Gast für eine Talkshow, bei der es schnell gehen muss und auch mal plakativ sein sollte. (5)

Philipp Rösler: Besonders hervorzuheben ist die relativ elegante Art, mit der er einen direkten (und wohl auch begründeten) Angriff auf Guido Westerwelle abwehren konnte. Er verkaufte seine Partei recht gut, aber nur für diejenigen, die seiner deutlich zu schnellen Sprechweise zuhören konnten. (3+)

Hannelore Kraft: Zeigte eine meist überlegene Position, drückte durch Dialekt, Gestik und wechselnde Gesprächsführung zwischen höflich und aggressiv ihre Parteizugehörigkeit aus. Hatte aber auch den Vorteil, dass die anderen schwach waren; gegen stärkere Gegner hätte sie wohl nicht so gut ausgesehen. (2-)

Liberale Kommunisten

Abgelegt als: Denker, Blogosphäre, Liberalismus - freiburgerthesen @ 10:12

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr der liberale Diskurs im Internet alten Lehrsätzen des Steinzeitkommunismus verhaftet zu sein scheint. Ob es nun Maos Diktum von der Macht ist, die ausschließlich aus den Gewehrläufen kommt (denn eine andere Form von Macht als die staatliche, mit Waffengewalt durchgesetzte, wird ja oft nicht akzeptiert) oder der historische und dialektische Materialismus mit dem Sein, das das Bewußtsein bestimmt - die Liberalen sind oft kommunistischer als die Linken.

Seltsam - oder?

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