10. 04. 2008

Menschenleer

Abgelegt als: Ausland - freiburgerthesen @ 7:27

Nach dem Entzünden der Fackel waren die Läufer heimlich per Bus in einen anderen Stadtteil, weitab von der geplanten Strecke, gebracht worden. Dort setzten sie ihren Lauf durch die Stadt unter starkem Polizeischutz ohne große Zwischenfälle in meist menschenleeren Straßen fort.

Na, wenn man das so liest, da hätte man den Fackellauf aber auch gleich ganz absagen können. Ein Lauf, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, während diejenigen, die ihn eigentlich sehen wollten, sinnlos irgendwo herumstehen: Wozu soll der denn noch gut sein?

Die chinesischen Medien bezeichneten den Lauf als Erfolg und lobten die in letzter Minute erfolgten Routenänderung als clevere Strategie, um die Pläne der "tibetischen Separatisten" zu durchkreuzen.

Sicher, was sollen die denn auch sonst sagen? Eine ehrliche Antwort wäre gewesen: "Es ist wirklich sehr peinlich, dass wir den Fackellauf jetzt ohne Zuschauer veranstalten, und die tibetischen Protestaktionen haben größtenteils Erfolg gehabt". Eine solche Antwort wird man von Chinesen aber niemals bekommen. Die müssen schließlich ihr Gesicht wahren. So eine pompöse Zeremonie ohne Zuschauer, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das passt ja auch zur chinesischen Diktatur.

So ähnlich wird jetzt wohl auch die gesamte Olympia-Geschichte ablaufen. Die Chinesen inszenieren sich großartig, was ihnen aber leider nur das eigene Volk glauben wird. Weil es keine anderen Möglichkeiten haben wird, sich zu informieren. Der Rest der Welt wird immer wieder auf das Thema Tibet aufmerksam gemacht. Und ändern wird sich nichts.

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