Erkenn’ sie am Geruch
Manchmal ist es ja interessant, Leute daran zu beurteilen, wen sie in ausländischen Wahlen so befürworten oder bekämpfen.
Oliver Luksic ist so ein Thema. Er hat bei der letzten französischen Wahl (und da war er ja an der Quelle) energisch für Sarkozy gekämpft. Was sagt uns das? Dass der Vorsitzende der Saar-Julis für einen Typen ist, der sich gern von Millionären einladen lässt, der Andersdenkende gern von der Straße "kärchern" will, der nach kurzer Zeit als ein Schreihals ohne wirkliches Programm oder echte Überzeugungen enttarnt ist (selbst Zettel war für Bayrou, und der ist mehr Konservativ als Liberal).
Wenn man aber nun nach Amerika schaut, dann entblößen sich solche Typen vollkommen. Ganz ehrlich: Das ganze Land USA ist liberaler, als es Deutschland jemals sein wird. Aus der Sicht jeder echten Liberalen müsste die Entscheidung zwischen Demokraten oder Republikanern also eine sein, bei der man relativ locker daneben stehen und gelegentliche Kommentare geben könnte. Wenn dann aber ein "Liberaler" meint, bei einem der üblichen "Skandale" des amerikanischen Wahlkampfes die Welle machen zu müssen (weil er prinzipiell für den konservativen Kandidaten ist), dann muss man sich schon wundern.
Es ist doch ganz einfach: Luksic ist ein Marktradikaler, dem bürgerliche Freiheiten völlig egal sind. Gleichberechtigung? Wirkliche Chancen für Unterprivilegierte? Wen interessiert das? Oliver Luksic studiert an der Sorbonne, er gehört zu denjenigen, die immer privilegiert sein werden - die Diskussion, die wir Unterprivilegierten betreiben, ist so jemanden doch völlig egal.
Und nennt sich noch "Liberal". Pfui.


“selbst Zettel war für Bayrou, und der ist mehr Konservativ als Liberall”, schreiben Sie.
Er ist so “konservativ”, daß sein MoDem für die heutigen Wahlen in zahlreichen Städten und Départements Wahlbündnisse mit den Sozialisten gegen die UMP eingegangen ist.
Die meisten der Abgeordneten seiner alten Partei, der UDF, haben ihn verlassen und eine eigene Gruppe in der Nationalversammlung gegründet, weil Bayrou - als Liberaler, der er ist - die Zusammenarbeit mit der PS ebenso in Betracht zieht wie die mit der UMP:
Je nach örtlichen Verhältnissen, je nachdem, mit wem sich mehr liberale Politik durchsetzen läßt.
So “konservativ” ist er, der (von mir in der Tat favorisierte) Bayrou.
Herzlich, Zettel
Comment by Zettel — 16. 03. 2008 @ 20:50
Für einen anarcho-libertären Manchesterliberalen ist es eine Premiere, daß ich HIER kommentiere und ein Novum, daß ich dieses auch noch zustimmend tue. Aber Ihr habt recht!
Olivers dumpfbackige Agitprop ist erbärmlich!
Comment by DDH — 16. 03. 2008 @ 22:13
Zunächst bitte ich um Entschuldigung, weil die beiden Kommentare in der Moderation gelandet sind. Mit diesem Wordpress muss ich noch umzugehen lernen.
Zettel, Sie haben mich missverstanden. Bayrou ist ganz sicher ein Liberaler - was man auch an seiner Bereitschaft sieht, sich sowohl bei den Sozialisten als auch bei den Konservativen Verbündete zu suchen. Was ich meinte: Ich denke, Sie sind eher konservativ als liberal. Was Sie sicher nicht als Beleidigung empfinden werden und wohl auch eine Frage des Blickwinkels ist. Mein Argument ist also: Wenn schon Zettel, der oft mehr konservativ als liberal ist, Bayrou favorisiert, warum ist dann ein erklärter Liberaler wie O.L. für einen Sarkozy? Herzliche Grüße!
DDH, hier zu kommentieren, ist wohl für jeden ein Novum. Das Blog ist ja noch ganz neu. Nachdem ich lange Zeit nur gelesen habe, wollte ich jetzt auch einmal selber etwas bloggen. Hoffe, dass es auch anderen gefallen wird. Und ich bin nicht derjenige, den jo@chim wohl vermutet. Hier wird es keine Fischwitze geben.
Comment by Administrator — 17. 03. 2008 @ 12:10
Lieber Freiburger Thesen,
nein, ich würde mich nicht als “eher konservativ als liberal” bezeichnen. Jedenfalls nicht in Europa.
Viele der nach unserem Verständnis liberale Positionen, die ich vertrete - für Freiheit des Einzelnen, für weniger Staat, für Selbstverantwortung, für absolute Achtung der Gesetze - würden ja in den USA als konservativ eingestuft werden.
Also, in den USA wäre ich ein “liberal conservative”, mit Schwerpunkt auf “conservative”. Hier in Europa verstehe ich mich als Liberalkonservativer. Oder Rechtsliberaler; das ist für mich dasselbe. Falls Sie es noch genauer wissen wollen
, hier
Für Ihren Blog wünsche ich Ihnen viel Erfolg! Anders als (vermutlich) Sie habe ich Hermann Weyer, Karl-Hermann Flach und Walter Döring noch erlebt.
Und sogar Thomas Dehler, von dem ich einen Vortrag als Schüler besucht habe. Danach war ich ein Liberaler.
Dehler gehört übrigens, wenn Sie mir die Anregung erlauben, meines Erachtens in Ihre Ahnereihe.
Herzlich, Zettel
PS: Daß bei Ihnen unter Partei- oder jedenfalls Gesinnungsfreunden so unhöflich diskutiert wird, wie ich es Ihrem Beitrag entnehme, hat mich a bisserl erstaunt. Klingt mir, als sei man unter Linken.
Comment by Zettel — 17. 03. 2008 @ 15:23
Lieber Zettel,
“Ahnenreihe” ist wohl übertrieben. Ich habe einfach eine Sammlung von Politikern und Autoren zusammengestellt, deren Ideen, Werke und Politik ich positiv und bewundernswert finde. Und ja, Thomas Dehler würde gut dazu passen, den habe ich aber leider vergessen.
Zu ihrer politischen Haltung: Den Beitrag, auf den Sie verlinken, habe ich gelesen. Wären Sie denn mit “ebenso konservativ wie liberal” einverstanden? Rechtsliberal soll mir auch recht sein.
Gesinnungsfreunde? Würde ich nicht unbedingt sagen. Marktradikalismus kombiniert mit Falkentum und Bewunderung für einen Typen wie Sarkozy, das kennzeichnet für mich eher einen politischen Gegner.
Herzliche Grüße!
Comment by Administrator — 17. 03. 2008 @ 16:08
Ich glaube jo@chim (Edit durch den Admin. Bitte wirklich keine Fischwitze hier, bei aller Sympathie!) hat inzwischen selbst gemerkt, dass nicht in jedem kontroveresen Kommentar seine bloggende Angstvorstellung drin steckt.
(Wobei man durchaus die Frage stellen könnte, warum rechtslibertäre Blogger - also auch A.H., als selbsterklärte “Liberale” so ausgeprägte Befürchtungen vor Vertretern einem kämpferischen Linksliberalismus haben. Meine Vermutung geht dahin, dass diese Rechtslibertären, zumindestens auf Blogebene, gerne die Definitionsmacht darüber hätten, was bitteschön echter LIberalismus ist. Und als - teils fanatische, teils nur sehr engagierte - durchideologisierte Blogger tun sie sich schwer, sehr schwer sogar, wenn die eigene ideologische Mauer zu bröckeln droht.)
Und nun der wichtige Teil meines Kommentars:
Ich wünsche dem Neu-Blogger noch viel Spaß mit dem Bloggen - und einen gepflegten, unterhaltsamen Meinungsaustausch!
Comment by Dr. Dean — 19. 03. 2008 @ 16:41
Es liegt wohl zum Teil daran, dass für einige von ihnen weniger das grundlegende Ziel des Kampfes für die Freiheit eine Rolle spielt als bestimmte Ergebnisse in der Praxis, die ihrer eigenen Lebensgestaltung (oder der angepeilten solchen) nahe kommen. Niedrige Steuern (man verdient ja viel), geringe Sozialabgaben (man ist ja selbst nicht bedürftig), ein Regelwerk, das dem Starken freie Hand lässt (denn man ist ja selbst stark) sind diese Ergebnisse, von denen ich spreche.
Die Frage nach der größtmöglichen Freiheit möglichst vieler Menschen in ihrem täglichen Leben spielt da bei manchen wohl eher eine geringere Rolle. Sie verbrämen eine Politik “jenseits von Gut und Böse” mit dem Begriff der Freiheit, ohne ihn weiter zu durchdenken.
Weniger negativ gesagt: Viele, die sich rechtslibertär durch die Blogosphäre bewegen, sind selbst erfolgreiche Freiberufler, Unternehmer oder Ökonomen. In ihrer Lebensrealität kommt “der Staat” eben vor allem als Bremser und Steuereintreiber vor. Weniger in seiner helfenden, schützenden, stützenden Rolle. Und “die Wirtschaft” erscheint eben als der Weg, der ihnen Wohlstand und die Grundlagen einer angenehmen Lebensgestaltung liefert. Weniger in ihrer repressiven, zwingenden, herrschenden Rolle. Und da ist jemand, der diese Dichotomie nicht etwa mit kommunistischen Slogans, sondern ebenfalls mit dem Grundwunsch der Freiheit attackiert, eben mehr als verwirrend.
Und so bedanke ich mich herzlich für die guten Wünsche und freue mich auf angenehme Diskussionen in der Zukunft!
Comment by Administrator — 19. 03. 2008 @ 18:00
dass für einige von ihnen weniger das grundlegende Ziel des Kampfes für die Freiheit eine Rolle spielt als bestimmte Ergebnisse in der Praxis, die ihrer eigenen Lebensgestaltung (oder der angepeilten solchen) nahe kommen.
Du bringst es auf den Punkt. Das sind in meinen Augen auch keine Liberalen, sondern schlichte Antietatisten.
Es ist richtig, dass die Beschränkungen durch den Staat die Freiheit beeeinträchtigen. Es ist sicherlich auch richtig, dass im Lebensumfeld dieser Konservativen mit liberalen Gedanktentanga es vor allem der Staat ist, der ihre Freiheit beeinträchtigt.
Ist die Freiheit des Marktes und das freie Miteinander bereits dann gegeben, wenn der Staat fern oder nicht existent ist? Ich wäre gerne eine Zauberer und würde diesen Konservativen den Staat wegzaubern. Schnipps und weg ist er.
Würde sich dann ein freier Markt und ein freies Miteinander nachhaltig ausbilden? Bei den meisten Konservativen mit liberalen Gedankentanga wundert mich das Ja zu dieser Frage nicht sonderlich. Mit dem Denken stehen sie auf Kriegsfuss
Was ist denn die Voraussetzung für einen freien Markt und ein freies Miteinander freier Persönlichkeiten.
Das ist das Vertrauen in das Handeln von Marktteilnehmer, von denen erwartet wird und erwartet werden muß, das sie sich an bewährte und durch Marktkrisen immer wieder bestätigte Marktregeln halten.
Das war bei einer wichtigen Gruppe von Marktteilnehmern in den letzten Jahren nicht der Fall und wie wir miterleben, verwandelte sich Vertrauen in Misstrauen, ja das Fehlverhalten dieser Markteilnehmer sät regelrecht das Misstrauen.
Herrscht Misstrauen vor und ist das Vertrauen begrenzt, stirbt jeder freier Markt. Auch ohne Staat. Notgedrungen müssen in jedem freien Markt Menschen miteinander handeln, die sich selbst nicht kennen. Sie müssen sich darauf verlassen können, das sie dem Handeln Fremder vertrauen können.
Wir sind in der perversen Situation, in dem der Staat und seine Institutionen das Vertrauen in den freien Markt wiederherstellen muß, das Misstrauen gegen das Handeln kurzsichtiger und raffgieriger Marktteilnehmer überdecken muß. Der Staat, der eigentlich nur den freien Markt behindert?
Das sagt eigentlich genug, aber manche können halt nicht weit genug denken
Beim privaten Mißeinander ist nicht anders. Es ist richtig, der Staat beeinträchtigt die Freiheit des Miteinanders. Aber auch hier sind das Fremd-Vertrauen und vor allem das Selbst-Vertrauen in die Entwicklung von Menschen, die ja alle als Abhängige, als Unfreie, das Leben im Miteinander beginnen, die entscheidenden Einflußfaktoren.
Das Fremdvertrauen in die Entwicklung von sich selbst vertrauenden Menschen ist berechtigt. Deshalb vertrauen ja auch die Konservativen sich selbst, ihren Familienangehörigen und Freunden.
Ist das die Mehrheit der Menschen in diesem Lande? Sind die Mehrheit der Menschen freie Menschen, wenigstens innerlich freie Menschen, die wissen ICH BIN, ICH KANN, ICH WILL, ICH WERDE? Nicht mal von allen Konservativen, die sich Liberale nennen, nehme ich das an. Ich halte viele für die Nachkommen der sieben Schwaben.
Wie viele Menschen, die innerlich unfrei sind, misstrauen die Konservativen mit liberalen Gedankentanga anderen Menschen. Sie vertrauen sich und Menschen, die so sind wie sie, aber sie misstrauen allen anderen Menschen.
Man muß ihnen doch auch misstrauen.Die wählen so merkwürdige Parteien. Obwohl es doch die Möglichkeit gibt, eine liberale Partei zu wählen und liberal zu sein. Was könnte die Welt schön sein, wenn die Welt nur aus Liberalen bestehen würde?
Nach ihrer Ansicht gibt es nur einen Weg, diese unfreien nichtliberalen Menschen zu ihrem liberalen Glück zu zwingen. Diese Konservativen glauben an den Markt, als Quelle ihrer Freiheit und als Waffe gegen die Unfreien, denen sie misstrauen und die deshalb durch den Markt gezüchtigt werden müssen. Das gestehen sie sich nicht ein, aber so ist es.
Werden die Unfreien durch die Einwirkung des Marktes auf sie zu Liberalen? Wie naiv und kurzsichtig muß man eigentlich sein, um so etwas zu glauben.
Wie werden bisher unfreie Menschen zu freien Menschen?
Durch Selbstvertrauen in ihre eigene Entwicklung.
Diese eigene Entwicklung wird behindert durch ihr eigenes Misstrauen, durch das Misstrauen ihrer Verwandten, Bekannten, der Menschen, denen sie begegnen und durch das Misstrauen der Menschen, die sie gar nicht kennen.
Das Selbstvertrauen reicht bei vielen Menschen nicht aus. Genauer gesagt, kaum ein Mensch hat alles in seinem Leben nur durch sein Selbstvertrauen und sein Selbstbewusstsein erreicht. Jedenfalls nicht von Anfang seines Lebens an. Es wird fast immer Menschen gegeben haben, die ihrer Entwicklung zum selbstbewussten Menschen vertrauten, sie dadurch förderten. Das müssen nicht immer die Eltern sein. Auch nicht unbedingt Verwandte.
Vertrauen schafft einen freien Markt und ein freies Miteinander freier Menschen. Der Staat kann es nur beeinträchtigen, aber nur das Vertrauen, nicht alleine die Abwesenheit des Staates lässt die Freiheit des Marktes und des freien Miteinander wachsen.
Vertrauen ist die Basis, aber immer noch nicht hinreichend. Hinzukommen muß das uneigennützige Engagement im freien Markt und im freien Miteinander. Das Wahrnehmen des Handels anderer und wenn notwendig, das Einschreiten gegen das regelverletzende Handeln.
Was außer der Macht des Staates behindert noch den freien Markt und das freie Miteinander?
Die Macht Einzelner, wenn es eine Macht über Menschen, nicht eine Macht durch Menschen ist.
Die Konservativen mit liberalen Gedankentanga neigen zur Oberflächlichkeit des Denkens. Es geht eigentlich nur um sie und ihre Familien, nicht um den freien Markt und das freie Miteinander. Es reicht, wenn sie frei sind. Die anderen müssen es nicht sein
Sind das Liberale?
Sie sind es nicht, sie glauben es nur. Sie sind elitär, ohne Elite zu sein
Frohe Ostern wünscht
Libero
Comment by Libero — 22. 03. 2008 @ 7:35